Stabiler Höhenflug

In Baden-Württemberg hält der Höhenflug der Grünen an. Als Erfolgsgarant gilt vor allem das Ansehen, das Regierungschef Winfried Kretschmann in weiten Teilen der Bevölkerung genießt.

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Selbst Politikwissenschaftler geraten ins Schwärmen, wenn sie den anhaltenden Erfolg der Südwest-Grünen erklären sollen. Der Tübinger Politikprofessor Hans Georg Wehling verweist dann auf die "Lichtgestalt" Winfried Kretschmann, sein Mannheimer Kollege Thorsten Faas auf das "Phänomen" gleichen Namens: Der erste grüne Regierungschef der Republik gilt den Wissenschaftlern als der Erfolgsgarant seines Landesverbands.

Bei der Landtagswahl 2011 haben 24,2 Prozent der Bürger ihr Kreuz bei den Grünen gemacht. Damit konnte die Ökopartei ihr Ergebnis gegenüber 2006 mehr als verdoppeln. Laut allen Umfragen haben die Grünen im Land ihren Wert seit Regierungsbeginn weiter verbessert. In der jüngsten Umfrage vom Mai 2012 kamen sie auf 28 Prozent.

Noch bemerkenswerter sind Kretschmanns Werte. In der Landespolitik kann es mit der Bekanntheit und Beliebtheit des 64-Jährigen weder Feind noch Freund aufnehmen. Auf 78 Prozent Zustimmung kommt er in der Bevölkerung laut der jüngsten Umfrage. Faas hat das "Phänomen" empirisch genauer unter die Lupe genommen. Sein Befund: Kretschmann ist in allen Regionen des Landes beliebt, bei Männern wie Frauen, jung wie alt.

"Nur die glühendsten Anhänger der Oppositionsparteien CDU und FDP bewerten ihn negativ - aber auch nur die." Die Erklärung liefert Thorsten Faas gleich mit: Der Regierungschef habe ein "rundes Profil": Er gelte als glaubwürdig und sympathisch, zugleich schreibe man ihm Durchsetzungskraft und Führungsstärke zu.

Dabei kommt Kretschmann und seiner Partei zweierlei zupass. Erstens, das schlechte Image seines Amtsvorgängers Stefan Mappus (CDU). Zweitens, die Tatsache, dass die ganz große Mehrheit der Bevölkerung allein die Durchführung des Volksentscheids über Stuttgart 21 als Erfolg wertet und das Ergebnis, unabhängig von der eigenen Einstellung, akzeptieren will.

Dass die Grünen im Land besser abschneiden als im Bund, dafür macht Landeschef Chris Kühn neben Kretschmann die inhaltliche Ausrichtung sowie einen strukturellen Vorteil seines Landesverbands verantwortlich: "Wir haben als führende Regierungspartei im Land eine ganz andere Aufmerksamkeit als als Oppositionspartei im Bundestag." Zudem seien sich die Grünen im Land "einig, in dem, was sie wollen. Das sehe ich im Bund in dieser Form nicht."

Unter Kretschmanns Stärke leidet vor allem der Koalitionspartner SPD. Sie kann indes auch für die Grünen zum Problem werden - falls der Überflieger von der Bevölkerung mehr als freischwebender Landesvater denn als als "grüner" Regierungschef wahrgenommen wird.

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