Spenden für Brandstifter

Ein Donaueschinger hat entnervt eine Skulptur angezündet und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Nun läuft eine Spendenaktion für ihn.

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Darüber, was Kunst ist und was nicht, lässt sich trefflich streiten. Bei anschaulichen Bildern mögen sich viele noch einigermaßen einig sein. Doch sobald es in den abstrakten Bereich und womöglich um Skulpturen geht, scheiden sich die Geister. So ist das auch in Donaueschingen.

Dort wurde zu den Heimattagen 2012 ein Skulpturenweg angelegt mit Leihgaben regionaler Künstler. Teil des Weges ist die Skulptur "Home" des Schwarzwälder Künstlers Paul Schwer. Es handelt sich um eine Installation aus Brettern, Balken und Mobiliar. Die ist an einem Pfeiler der historischen Schützenbrücke im Residenzviertel angebracht, in dem Stadtteil, in dem auch das Fürstenbergische Schloss steht. Die Assoziation mit Treibgut, das bei Hochwasser an der Brücke hängen geblieben ist, ist durchaus gewollt.

Etliche Donaueschinger wollen so etwas nicht sehen. Sie fühlen sich durch die in der Stadt präsentierte Kunst belästigt und bedrängt. Einem Handwerksmeister ist das zuviel geworden. Er war der Meinung, die Stadt habe für die Skulptur Steuergelder ausgegeben, die er für die Renovierung einer Kapelle für besser angelegt hielt. Jedenfalls ist es mit dem Handwerker im letzten Sommer durchgegangen. Er warf einen mit Benzin getränkten Lappen in die Skulptur. Die Feuerwehr kam und löschte den Brand, das Kunstwerk blieb heil. Die Polizei fasste den Übeltäter. Das Amtsgericht verurteilte ihn im Januar wegen Brandstiftung zu einer Geldstrafe von 2700 Euro. Hinzu kamen die Kosten für das Gericht und die Feuerwehr.

Ein früherer Gemeinderat und angesehener Geschäftsmann aus Donaueschingen hatte Mitleid mit dem Brandstifter, auch deswegen, weil er in Gedanken die Skulptur auch schon angezündet hatte. Nur war er nicht tätig geworden. Nicht in diesem Fall, dafür anders: Er organisierte eine Spendenaktion für den Handwerker, um ihm zu helfen, die Strafe zu bezahlen.

Wer nun glaubt, da zahle niemand auch nur einen Cent ein, irrt. Nach Angaben des Mannes haben bis gestern 150 Spender zusammen 2400 Euro gegeben. Ob das alles Leute sind, die von den Skulpturen genauso genervt sind wie der Handwerker, ist nicht bekannt.

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