Späte Solidarität mit Mesale Tolu

Die Familie kämpft seit Monaten für die Freilassung der in der Türkei inhaftierten Übersetzerin Mesale Tolu. Öffentliche Unterstützung kam nur langsam in Gang.

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Hüseyin Tolu kämpft für seine Schwester.  Foto: 

Für seine Schwester Mesale hat Hüseyin Tolu (36) in den vergangenen Monaten sein Leben regelrecht umgekrempelt. Keiner Interviewanfrage ging der Abteilungsleiter eines Ulmer Baumarkts aus dem Weg, er trat in TV-Talk-Shows auf, nahm landauf, landab an Solidaritätskundgebungen teil. Den am Mittwoch beginnenden Prozess verfolgt der Familienvater aus Neu-Ulm jedoch von Zuhause aus. „Wenn ich in die Türkei einreise, lassen sie mich nicht mehr raus“, ist er überzeugt. Nicht, dass er kneife – aber von Deutschland aus könne er mehr für seine Schwester tun. Zumal Mesales Vater Ali Riza Tolu seit der Verhaftung seiner Tochter Ende April vor Ort ist. Jeden Montag  besucht der 58-Jährige sie und ihren zweieinhalbjährigen Sohn Serkan im Istanbuler Frauengefängnis Bakirköy.

Wackere Schar

So beeindruckend die familiäre Solidarität ist, so zögerlich kam zunächst die öffentliche Unterstützung für Tolu in ihrer Heimatstadt in Gang. Zwar demonstriert eine wackere Schar von Unterstützern seit fünfeinhalb Monaten jeden Freitagabend in der Ulmer Fußgängerzone für die Freilassung der 33-jährigen Übersetzerin und Journalistin, zwar veröffentlichten Mesales ehemalige Lehrer und Mitschüler rasch einen Solidaritätsbrief. Doch bis sich die Stadtparlamente aus Ulm und Neu-Ulm erstmals öffentlich äußerten, verging mehr als ein Monat.

In einem gemeinsamen Kommuniqué  der beiden Oberbürgermeister Gunter Czisch (Ulm) und Gerold Neoerenberg (Neu-Ulm) Anfang Juni war dann nur von der „Forderung nach einem fairen Prozess“ die Rede – was von vielen als halbherzig  empfunden wurde. Auch Tolus Bruder Hüseyin hatte immer wieder bekundet, er wünsche sich mehr politische Unterstützung und dabei auf das Beispiel des inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel verwiesen, „den im Gegensatz zu meiner Schwester jeder kennt“.

Zuletzt ist die lokale politische Rückendeckung deutlich stärker geworden. Auf einem Solidaritätskonzert für Tolu am vergangenen Wochenende mit mehreren hundert Teilnehmern forderte OB Czisch  die „sofortige Freilassung“ der jungen Frau und bekundete sein Mitgefühl gegenüber der Familie. 

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Themenschwerpunkt

Der Fall Mesale Tolu

Seit Ende April 2017 sitzt die deutsche und in Ulm geborene Journalistin Mesale Tolu in einem türkischen Gefängnis. Der Vorwurf: „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“.

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