Spähangriff im Kanzleramt

Das Computervirus, mit dem eine Mitarbeiterin der Bundeskanzlerin ausspioniert werden sollte, ist nicht genau nachzuverfolgen. Schon vor Jahren hatten US-Dienste Angela Merkels Handy ausgespäht.

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Gibt nur wenig Wärme ab: Das Bundeskanzleramt. Doch manche wollen offenbar noch mehr wissen.  Foto: 

Eine Mitarbeiterin des Europareferats im Kanzleramt von Angela Merkel (CDU) ist Ziel einer Spionageattacke mit einem Computervirus geworden - doch der Angreifer bleibt im Dunkeln. Das IT-System des Amtes sei nicht infiziert worden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz. Es habe keine Gefahr bestanden. Es gebe auch keinen Anlass, die Vorkehrungen des Kanzleramts gegen Computerspionage grundsätzlich zu überdenken. Kanzleramt und Regierung hätten die Gefahren durch Cyber-Spionage im Blick. Details wollte die Sprecherin nicht nennen.

Der Urheber des Monate zurückliegenden Angriffs mit der schwer zu entdeckenden Software "Regin" konnte offenbar nicht nachverfolgt werden. Unklar ist auch, ob Dokumente vom Privatcomputer der Mitarbeiterin abgefischt wurden. Entsprechende Untersuchungen der Sicherheitsbehörden waren erfolglos. "Regin" wird mit dem US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) und dem britischen Partner GCHQ in Verbindung gebracht.

Bereits 2013 hatten Enthüllungen über das jahrelange Abhören des Mobiltelefons von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durch die NSA für schwere Verstimmungen mit den USA gesorgt. "Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht", sagte Merkel damals.

Die "Bild"-Zeitung hatte zunächst berichtet, eine Referatsleiterin aus der Europapolitik-Abteilung habe ein Dokument - ein Rede-Manuskript zu Strategien der Europäischen Union - auf einem privaten USB-Stick mit nach Hause genommen. Dort habe sie auf ihrem Privat-Laptop an dem Dokument weitergearbeitet und das Speichergerät wieder ins Bundeskanzleramt mitgebracht. Als sie den privaten Speicherstick in ihren Dienst-Laptop steckte, habe dessen Viren-Scanner wegen "Regin" Alarm geschlagen.

Wirtz wollte dieses "Angriffsmuster" nicht bestätigen. Auch zu dienstrechtlichen Folgen für die Mitarbeiterin, die möglicherweise gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen hat, nahm sie keine Stellung. Es fänden im Kanzleramt immer wieder Unterrichtungen der Mitarbeiter statt, um für Datensicherheit zu sensibilisieren, sagte sie.

Der Internetexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil, sagte der "Frankfurter Rundschau", es wäre bedenklich, wenn es trotz der Zusicherung von US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr auszuspähen, Geheimdienstattacken gegen Kanzleramts-Mitarbeiter gäbe. Die Regierung müsse mehr für die IT-Sicherheit tun.

Das parlamentarische Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste war in seiner letzten Sitzung vor der Weihnachtspause über den Vorgang informiert worden. Nach "Bild"-Informationen wurden nach dem Auffliegen des Spähangriffs alle 200 Hochsicherheits-Laptops im Kanzleramt überprüft. Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe keine weiteren betroffenen Rechner feststellen können.

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