Sicherheitsvorkehrungen für Obama weniger rigide als befürchtet

Massive Polizeiabsperrungen, Berlin als Festung - das Bild wurde oft beschworen. Das gab es aber nur an einigen neuralgischen Punkten zu finden.

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Wo sind die Gefährder? Polizei am Pariser Platz. Foto: dpa

Die Gustav-Heinemann-Fußgängerbrücke, die den Hauptbahnhof mit dem Regierungsviertel verbindet, wird von vier Polizisten versperrt. Geduldig erklären sie vielen Touristen und einigen Berlinern, dass die Brücke bis zum Abend für das Publikum gesperrt ist. Es ist kurz vor 11 Uhr und die Sonne brennt unbarmherzig. Der Sonnenschirm reicht höchstens für zwei Ordnungshüter. Ein Polizeischirm? "Sehen Sie nicht die Farben", fragt einer der Polizisten. "Blau- Weiß. Ist doch eindeutig." Und der blau- weiße Vogel? "Das ist eine Ente." Ein Polizeisonnenschirm mit Ente soll an diesem historischen Tag also helfen, die Beamten und damit die Sicherheit aufrechtzuerhalten.

 Natürlich stehen nicht alle 8000 Polizisten unter Schirmen.  Manche sitzen in Panzerwagen. Zum Beispiel vor Obamas Hotel am Potsdamer Platz. Auch auf der Straße des 17. Juni sieht man einige dieser martialischen Gefährte. Auf der Spree Polizeiboote. Am Ufer gegenüber dem Kanzleramt kann jeder ungehindert spazieren. Vor dem Schloss Bellevue werden die Zäune zügig abgebaut, als Obama wieder weg ist. Überhaupt scheinen die Verantwortlichen viel daranzusetzen, den Stress für die Hauptstadt so gering wie möglich zu halten. Man kommt im Tiergarten bis auf 150 Meter an das Brandenburger Tor heran.

Doch natürlich fühlen sich viele genervt. Eine junge Frau versucht mit dem Fahrrad immer wieder von der Wilhelmstraße Richtung Potsdamer Platz zu gelangen. Jedes Mal endet eine Nebenstraße an einem Zaun. "Wie soll ich denn nach Charlottenburg kommen?" Nach Charlottenburg? Man spürt das Mitleid bei dem immerhin ortskundigen Polizisten.

Es gibt auch einige Unentwegte, die versuchen, einen Blick auf Obama zu werfen oder wenigsten irgendwie an dem großen Ereignis teilzunehmen. Dort, wo die "Glinkastraße" die Straße "Unter den Linden" kreuzt, haben sich 200 bis 300 Menschen versammelt. Der Pariser Platz ist von hier praktisch nicht zu sehen. Eine Kenianerin sagt: "Weiß ich ja. Und es ist schade. Aber ich bin nun mal Obama-Fan." Die Frau ist mit Kind und einigen Landsleuten erschienen. Einer führt ein Tänzchen auf. "Obama, Obama, ich kann nicht zu dir kommen. Das sage ich deiner Oma in Kenia." Protestierende muss man suchen. Es gibt kleinere Aktionen für die Schließung von Guantánamo. In der "Glinkastraße" trägt eine Frau ein Schild: "Obama hatte die Chance zur Größe. Was für ein Fehlschlag."

Ein Mann mit DFB-Shirt und Strohhut stellt sich als "Hans Herrmann aus Buschkowsky-County" vor. Dem Neuköllner Bürgermeister war es zu heiß, um der Einladung auf den Pariser Platz zu folgen. Hans Herrmann wiederum war es "zu Hause zu langweilig". Schließlich sei er "Mitglied des akademischen Subproletariats". Das soll wohl bedeuten, dass er Zeit hat. Und dann ist auch noch ein älterer Mann aus dem Erzgebirge gekommen. In Berlin ist er "wegen Arbeit. War eine große Enttäuschung", murmelt er. Und warum quält er sich bei dieser Hitze zu Obama? "Obama ist mir egal", brummt der Mann. "Mir geht es um die Flaschen." Es gibt sicher größere Menschenaufläufe als den am Rande des Obama-Besuches. "Stimmt", sagt der Flaschensammler. "Aber man muss es nehmen, wie es kommt."

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