Schwerer Stand: Thilo Sarrazin zu Gast in Brüssel

Thilo Sarrazin hat in Brüssel seine Thesen zur Integrationspolitik vorgestellt. Die Harmonie hielt dabei nur kurz, dann wurde es kontrovers.

|

Thilo Sarrazin hat im Brüsseler Europaparlament sein Buch "Deutschland schafft sich ab" vorgestellt. Zwar ist das Werk zwei Jahre alt, eine Diskussionsrunde zum Thema Integration in Europa sollte aber neue Blickwinkel liefern. Gastgeberin Silvana Koch-Mehrin (FDP) hatte einen weiteren provokanten Debattenpartner eingeladen: Mehmet Daimagüler, türkischstämmiger Ex-FDP-Politiker und als Buchautor eine Antithese zu Sarrazin.

Nach Harmonie sah es nur zu Beginn aus. Niemand könne ernsthaft gegen Vielfalt sein, sagte Sarrazin auf Englisch. Sie sei eine Quelle des Lebens und des Fortschritts. Allerdings brauche es gemeinsame Regeln und Werte. Einwanderer sollten aus einem ähnlichen Kulturkreis kommen und möglichst Ingenieure und Wissenschaftler sein.

Dann kam seine wohl prominenteste Beobachtung, auf Europa übertragen: Die meisten Immigranten passten nach einigen Jahren perfekt in die Gesellschaft, sagte er. "Aber bei einem Teil der Menschen aus muslimischen Ländern ist das nicht der Fall. Dieses Problem gibt es auch in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden." Spätestens da lief Daimagüler auf dem Podium rot an. Er konterte mit Verweisen auf sozioökonomische Probleme, fehlende Integrationspolitik und Klischee-Denken. Eine statistische Materialschlacht begann.

Das Publikum wurde nervös: Eine Deutsche ägyptischer Abstammung verwies auf die Erfolge iranischer Mediziner. Ein Belgier mit deutschen Vorfahren zog einen Vergleich zum Judenhass in früheren Zeiten und nannte Sarrazin einen "verachteten Banker". Der deutsch-türkische Europaabgeordnete Ismail Ertug (SPD) wollte wissen, was Sarrazin als Berliner Finanzsenator für Einwanderer getan habe.

Schließlich spendete aber doch ein Zuhörer Beifall: Wir sollten diese liberale multikulturelle Lüge beenden, rief ein Sozialdemokrat aus Ungarn. Einwanderer hätten eine Eigenverantwortung, sich anzupassen. Auch ein Pole spendete Zuspruch. Eine unfaire Debatte sei es gewesen, befand eine Dame aus Deutschland. Sarrazin sei im Englischen nicht versiert genug und gesundheitlich angeschlagen. Sarrazin selbst schaute gleichmütig: In Deutschland seien die Zuhörer immer noch begeistert, sagte er.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mieter entsetzt über Kahlschlag in grüner Oase

Mieter einer Villa am Michelsberg sind entsetzt über den Kahlschlag ihrer Grünflächen, die eine Oase für Pflanzen und Tiere gewesen sein soll. Die Ulmer Wohnbaugenossenschaft UWS hat die Maßnahmen angeordnet. weiter lesen