Schwere Kämpfe in Cizre

Die türkische Armee geht entschieden gegen die PKK und andere Terrororganisationen vor. Die Stadt Cizre ist fast vollständig zerstört, Menschenrechtsorganisationen sprechen von mehr als 200 zivilen Opfern.

|
Menschen in den Trümmern der kurdischen Stadt Diyarbakir nach einem Angriff des Militärs.  Foto: 

Die türkische Kurdenregion kommt nicht zur Ruhe. In der südostanatolischen Stadt Cizre seien in der Nacht zum Montag bei einem Angriff des Militärs auf ein Gebäude, in dem sich etwa 70 Rebellen der verbotenen Guerillaorganisation PKK verschanzt hatten, 60 Menschen getötet worden, berichtete zunächst das Staatsfernsehen TRT. Der Sender zog die Meldung aber später zurück. Die Armee teilte mit, zehn Rebellen seien "eliminiert" worden. Nach Angaben der Streitkräfte wurden bei der Offensive gegen die PKK, die im Dezember begann, bisher 733 PKK-Kämpfer getötet. Die eigenen Verluste beziffert die Armee seit dem Ende der Waffenruhe im Sommer 2015 auf mehr als 250 gefallene Soldaten. Türkische Menschenrechtsorganisationen sprechen außerdem von über 200 zivilen Opfern.

Wie schon in den 1990er Jahren, auf dem damaligen Höhepunkt des Kurdenkrieges, ist die PKK-Hochburg Cizre auch jetzt ein Brennpunkt der Kämpfe. Nach Angaben von Innenminister Efkan Ala hat die PKK die Waffenruhe dazu genutzt, in Cizre und anderen Städten riesige Waffenarsenale anzulegen.

Nach den schweren Gefechten der vergangenen Wochen ist Cizre in manchen Stadtteilen weitgehend zerstört. Von den vormals 120.000 Einwohnern haben 100.000 die Stadt verlassen. Ein ähnliches Bild der Zerstörung bietet sich in Sur, einem Altstadtviertel der Kurdenmetropole Diyarbakir. Hier meldete die Armee gestern acht getötete Rebellen. Informationen, die aus den umkämpften Städten nach außen dringen, sind kaum zu überprüfen, da die Behörden über zahlreiche Ortschaften und Stadtteile in der Kurdenregion Ausgangssperren verhängt haben. Unabhängige Beobachter haben keinen Zugang mehr. Medien sind auf Verlautbarungen der Regierung und der Streitkräfte sowie auf Darstellungen kurdischer Quellen wie der PKK und der pro-kurdischen Partei HDP angewiesen.

Die türkische Regierung hatte kürzlich ein baldiges Ende der Militäroperation angekündigt. Zu merken ist davon bisher nichts, wie die gestrigen Kämpfe zeigen. Erst Ende vergangener Woche flog die türkische Luftwaffe mit rund 40 Kampfflugzeugen Angriffe auf PKK-Lager im Nordirak, aber auch auf Stellungen der Rebellen in der Südostprovinz Hakkari, die an den Nordirak und den Iran grenzt.

Am vergangenen Freitag hatte Premierminister Ahmet Davutoglu bei einem Besuch in der Kurdenprovinz Mardin einen Zehn-Punkte-Plan zur Kurdenpolitik vorgestellt. Der Regierungschef kündigte einen entschlossenen Kampf gegen die PKK und andere Terrororganisationen an und stellte staatliche Hilfen für den Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften, Zuschüsse und günstige Kredite für geschädigte Geschäftsleute und ein Förderprogramm für die örtliche Wirtschaft in Aussicht. "Wir werden alle Wunden heilen", versprach er. Auf die kurdischen Forderungen nach mehr Selbstverwaltung ging er nicht ein.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

09.02.2016 17:52 Uhr

Antwort auf „Gott gütiger...”

Mit einem "gütigen Gott" hat dieser Bürgerkrieg absolut nichts zu tun.
Aber vielleicht vielleichht sieht Herr Akdag das ja auch anders. Nicht selten werden ja die schlimmsten Verbrechen mit Religion begründet.
Seine einseitige Schwarz-Weiß-Propaganda nach dem Motto "Türkisches Militär klasse-alle anderen sind Terroristen" mag nach seinem Weltbild ja passen.
Aber auch wenn es ihm nicht gefallen mag und er es nicht gewohnt ist, braucht er nicht glauben, dass er hier seiner Propaganda unwidersprochen freien Lauf lassen kann.

Nochmals: Hier wird von BEIDEN Seiten ein schmutziger Krieg geführt.

PS. im übrigen ist im Spiegel-Artikel vom November die Rede davon, dass die STADT Hakkari bombardiert wurde von der Luftwaffe, Zitat: "Die Luftwaffe bombardiert seit Montag PKK-Stellungen in der südtürkischen Stadt Hakkari und im Nordirak."

Antworten Kommentar melden

09.02.2016 17:43 Uhr

Vom richtigen Dampfer des Hüseyin Akdag !!!,

welcher unschwer erkennbar ist !, wenn Gott gütig ist !!!!, denn dazu hat der gütige Gott dem Menschen bekanntelich das logische Denken zum Verstehen mittels Verstand gegeben !

Guckest du !:

»Erstens bombadiert die Türkei nicht die eigene Bevölkerung« - siehe Behauptung von Hüseyin Akdag !

Wenn diese Behauptung stimmt !, stellt sich unweigerlich die Frage !, welche Bevölkerung die Türkei dann bombardiert !!

UN siehe!, bekanntelich bombardiert die Türkei Kurden ! – also die kurdische Bevölkerung !!

Wenn jedoch die Kurdische Bevölkerung nicht die eigene Bevölkerung ist !, wessen Bevölkerung ist sie denn dann !!???

Zweifellos ist sie die Bevölkerung von Kurden ! allso die Bevölkerung von Kurdistan !!!

Somit folgt !, die Türkei bombardiert nicht türkisches Gebiet !!

Somit folgt doch logischerweise die Notwendigkeit eines freien Kurdistan !!!

UN ist nicht dies der richtige Dampfer ! auf welchen UNs der Hüseyin Akdag hinweisen wollte !!!????

-----

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

Antworten Kommentar melden

09.02.2016 14:41 Uhr

Gott gütiger...

Wenn sie schon solche Zitate vorbringen dann sollten sie sich Gedanken machen wer verantwortlich für die Zerstörung der Städte ist. Zu ihrem besseren Verständnis, die PKK hat Schützengraben ausgehoben und Barrikaden errichtet. Dann benützt sie Panzerfäuste, Handgranaten und modifizierte Gasflaschen als Sprengbomben. Auch versteckt die Pkk Strassenbomben...Das ist korrekt das die türkische Luftwaffe Angriffe geflogen ist. Wie Sie vortrefflich im Zitat erwähnen flogen Sie auch über den Provinz Hakkiri und nicht die Stadt Hakkiri oder irgendeine Stadt. Bitte informieren Sie sich genauer.

Antworten Kommentar melden

09.02.2016 13:59 Uhr

Antwort auf „Da sind Sie auf dem falschen Dampfer....”

Nun ja, dass Herr Akdag ein glühender Anhänger des Vorgehens des türkischen Militärs ist, dürfte klar geworden sein. Vielleicht hat er ja auch persönliche Beziehungen zu türkischen Institutionen?

Meine Anmerkung bezüglich Assad bezog sich nicht auf den türkischen Staat als Ganzem, sondern auf das militärische Vorgehen auch gegen weite Teile der Zivilbevölkerung, Zitat: "Nach den schweren Gefechten der vergangenen Wochen ist Cizre in manchen Stadtteilen weitgehend zerstört. Von den vormals 120.000 Einwohnern haben 100.000 die Stadt verlassen. Ein ähnliches Bild der Zerstörung bietet sich in Sur, einem Altstadtviertel der Kurdenmetropole Diyarbakir. "

Weiter ist zu lesen:, Zitat: "Erst Ende vergangener Woche flog die türkische Luftwaffe mit rund 40 Kampfflugzeugen Angriffe auf PKK-Lager im Nordirak, aber auch auf Stellungen der Rebellen in der Südostprovinz Hakkari:"
Jedenfalls gehört Hakkari zum Staatsgebiet der Türkei. Weiterhin hat es Bombardierungen der Stadt Hakkari auch schon in der Vergangenheit gegeben:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-pkk-nimmt-angriffe-wieder-auf-a-1061305.html

Hier wird von BEIDEN Seiten ein schmutziger Krieg geführt.

Antworten Kommentar melden

09.02.2016 12:58 Uhr

Da sind Sie auf dem falschen Dampfer....

Erstens bombadiert die Türkei nicht die eigene Bevölkerung und die Städte. Es ist ein Unverschämtheit das man die Türkei mit dem Schlächter Assad vergleicht. Da verwechseln Sie Äpfel mit Birnen. Im Vergleich zu Assad hatte die Türkei Ausgangssperren verhängt um die Zivilisten zu schützen. Das zweite ist die Türkei setzt keine Flugzeuge ein. Das dritte ist die Pkk Terroristen haben sich mit Gewalt Zugang zu den Wohnungen der Anwohner verschafft. Diese Terroristen missbrauchen die Anwohner als menschliche Schutzschilde. Das dritte ist die Türkei hat mehr als 2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen und nimmt weiterhin auf. Das ist auch ein Unterschied zwischen Assad und der Türkei. Das die Türkei sich freuen darf ist ihr gutes recht. Das hat Frankreich, USA auch gemacht gehabt. Es ist ein Riesen Unding und lächerlich was für Behauptungen die kein Hand und Fuß hat sie vorschieben. Sie haben von gar nichts eine Ahnung.

Antworten Kommentar melden

09.02.2016 12:20 Uhr

Antwort auf „Das ganze geschehen geht auf das Konto der PKK,..”

Nein, das Ganze geht mindestens zur Hälfte auch auf die aggressive türkische Politik, die nicht davor zurückschreckt, sogar eigene Städte und die eigene Bevölkerung mit Kampfflugzeugen zu bombardieren. Der Übergang zu den Methoden des Menschenschlächter Assad in Syrien sind dabei fließend.
Der Konflikt ist komplex und die PKK eine Terrororganistation.
Solche Jubelorgien aber auf den türkischen Staat, die hier vom Stapel gelassen werden, sind eine unglaubliche Entgleisung.

Antworten Kommentar melden

09.02.2016 12:02 Uhr

Das ganze geschehen geht auf das Konto der PKK,..

Klar, dass dort geschossen wird und man natürlich "Terroristen" dingfest machen möchte. Wie solte das denn sonst gehen wenn man beschossen wird von diesen Terroristen? Vergleich Paris; ein paar Terroristen greifen Zivilisten an und die Regierung darf ohne Beschlüsse in jede Wohnung rein. Darf jeden auf Verdacht festnehmen. Bei Bedrohungssituationen "sofort" schießen. Und den Ausnahmezustand ausrufen. Die Türkei und die Zivilisten werden von den Terroristen angegriffen mit Sprengstoff, Panzerfäusten, Handgranaten und Kalaschnikows. wie sollte man den als Regierung die Zivilisten schützen? Noch dazu, wie konnten die hunderten von Terroristen in der Stadt Cizre bis heute unbehelicht sich aufhalten. Noch dazu kämpfen auf der Seite der PKK Terroristen, ausländische Söldner, die PKK als Scharfschützen einsetzt.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mordprozess: Abneigung gegen Schwule als Motiv?

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Dienstag vor dem Landgericht Ulm ein Mordprozess gegen einen 16-Jährigen begonnen. weiter lesen

Justizgebäude Ulm-