Schmach der Demoskopen: Umfragen lagen bei Trump daneben

Steckt die Meinungsforschung in der Krise? Die Umfragen zur Wahl in den Vereinigten Staaten waren teils verheerend. Teils aber auch nicht so schlecht. Man musste sie nur ernst nehmen.

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Der Vergleich liegt auf der Hand. Als Donald Trumps Chancen in der Nacht zum Mittwoch plötzlich stiegen, 45. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, blickten Amerikaner und Briten ein paar Monate zurück: Die Briten wählten den Brexit. Niemand hatte damit gerechnet, die Meinungsforscher lagen falsch. US-Medien sprechen nun vom „Brexit Plus“.

Warum lagen die Umfragen so daneben - beim Brexit und bei der Wahl in den USA?

Eigentlich hätte den Meinungsforschern ein zweiter Brexit nicht passieren dürfen. In den USA liegt ihnen viel besseres Datenmaterial vor, als in Großbritannien. Die Wissenschaftler werden die Gründe untersuchen. Von 67 Umfragen in den vergangenen Tagen hatten nur vier Trump vorne gesehen. Der unmittelbar nach Trumps Wahlerfolg am häufigsten geäußerte Grund: Die Wähler standen nicht zu ihrer Meinung - wie in England. Sie gaben den Meinungsforschern gegenüber nicht zu, dass sie das unpopuläre, das politisch unkorrekte Kreuz setzen wollen. Ein zweiter Effekt: Die Forscher unterschätzen die Zahl der Wähler, die 2012 nicht zur Wahl gegangen waren, es aber mit Donald Trump wieder lohnend fanden.

Lagen alle Erhebungen falsch?

Nein. Es gab durch die letzten Monate des US-Wahlkampfes mehrere Ausnahme: Hervorzuheben ist die Umfrage der University of Southern California in Zusammenarbeit mit der „Los Angeles Times“. Die Meinungsforscher aus Kalifornien sahen praktisch durchgehend Trump als Sieger. Ihr Erfolg stützt die These vom „Shy Trump Effekt“. Die Umfrage der „LA Times“ wird im Internet durchgeführt, ist also anonym. Möglicherweise waren die Befragten hier ehrlicher. „Es liegt der Verdacht nahe, dass Clinton-Anhänger mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das auch so sagen, Trump-Anhänger weniger“, sagte Arie Kapteyn, Leiter der Studie. Auch IBD/TIPP hatte den Trump-Sieg vorausgesehen - die Studie, die auch 2012 sehr gut gelegen hatte. Niemand wollte sie ernst nehmen.

Steckt die Zunft der Meinungsforscher in einer Krise?

Es scheint zumindest schwerer geworden zu sein, politische Ereignisse einigermaßen korrekt vorherzusagen. Das liegt einerseits an technischen Veränderungen. Alte Telefonumfragen per Festnetz funktionieren nicht mehr, anonyme Online-Umfragen haben ihre eigenen Tücken, auch die über Mobiltelefone. Die Stichprobenerhebung wird schwieriger, die Gewichtung der Ergebnisse noch mehr. „Ich habe 30 Jahre lang an die Kraft der Daten in der Politik geglaubt“, sagte der konservative Politik-Analyst Mike Murphy. „Heute abend sind die Daten gestorben.“

Gibt es eine Alternative zur Meinungsumfrage?

Es kommen immer mehr Projektionsmodelle in Mode - sie errechnen Wahrscheinlichkeiten und stellen diese grafisch dar. Letztlich basieren jedoch auch diese Modelle auf Umfragen. Einen ganz anderen Weg geht etwa der deutschstämmige Professor Helmut Norpoth aus New York. Er hat die These aufgestellt: Wenn ein Kandidat im Vorwahlkampf lange kämpfen muss, ist er im Nachteil. Zudem: Selten schafft es eine Partei, ihren Kandidaten durchzubringen, wenn ein Amtsinhaber derselben Partei acht Jahre im Amt war. Daraus hatte Norpoth eine 67 bis 88prozentige Chance für einen Sieg Donald Trumps errechnet.


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