Schavans Rücktritt: Der Mühlstein der Freundschaft

Annette Schavan musste jetzt zurücktreten, ungeachtet ihrer persönlichen Überzeugung, für ihre Partei - und trotz oder gerade wegen ihrer Freundschaft zu Bundeskanzlerin Merkel. Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer.

|
Will vor Gericht um ihren Doktortitel kämpfen: Annette Schavan. Foto: dpa
Das sind die normativen Kräfte der faktischen Politik: Zwar ist Annette Schavan, die gewesene Bundesministerin für Bildung und Forschung und damit auch für Wissenschaft, felsenfest davon überzeugt, bei ihrer Doktorarbeit vor 33 Jahren nicht geschummelt und nach den damaligen Umständen ihre Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen verfasst zu haben; zwar geht sie deshalb gegen die Aberkennung ihres Doktortitels vor Gericht; zwar darf sie sich - anders als zuvor zurückgetretene oder zum Rückzug gezwungene Minister und Bundespräsidenten - auch weiterhin einer engen Beziehung zur Kanzlerin sicher sein; zwar steht die CDU in ihrem Wahlkreis Ulm/Alb-Donau zunächst einmal in trotziger Geschlossenheit hinter der 57-Jährigen. Und doch musste sie zurücktreten.

Drei Gründe: Erstens kann eine Frau nicht ausgerechnet das Ressort Wissenschaft als Ministerin repräsentieren, der diese Wissenschaft den Doktortitel entzogen hat; hier überwiegt nicht die im Rechtsstaat gültige Unschuldsvermutung, sondern die Reputation des Amtes. Eine Wissenschaftsministerin, die gegen jene Universität klagt, an der sie ihren Doktor gemacht hat - letztlich undenkbar.

Zweitens steht Schavans Partei, die CDU, vor einem Bundestagswahlkampf, in dem es nach jetzigem Stand der (Umfrage-)Dinge Spitz auf Knopf kommen wird; die CDU kann sich Angriffsflächen, die eine derart angeschlagene und im Schussfeld der Opposition stehende Ministerin böte, nicht leisten. Die Parteiloyalität geht in diesem Fall über alles.
Drittens resultiert aus Zweitens: Gerade die enge Bindung zur Bundeskanzlerin erwies sich in ihrem Fall als Mühlstein. Schavan war es Merkel schuldig, die Kanzlerin an dieser Front unbelastet in den Wahlkampf ziehen zu lassen.
Dem weiteren Verfahren dient der gewiss in enger Abstimmung mit Merkel erfolgte Rücktritt, der nun auf den Rückzug aus dem Parteivorstand folgt: Die Justiz, die gefordert ist, kann sich der Sache Schavan unbelastet von Wahlkampfgetöse annehmen.

Deneben hat der Bürger die Möglichkeit, bei der Bundestagswahl zum Ausdruck zu bringen, wie er den Fall Schavan einschätzt. Annette Schavan will für den Bundestag kandidieren, es gibt keine Anzeichen, dass ihr CDU-Kreisverband ihr Knüppel in den Weg schmeißt - dafür so manche Indizien, dass sie als Ex-Ministerin im Herbst das beste ihrer bisherigen Wahlergebnisse einfahren könnte. Das wäre dann die durchaus besondere Tragik der Annette Schavan.
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

13.02.2013 22:53 Uhr

Ha z.B. so !!

^^
Geheimberuf Doktormacher "Ich verhelfe Nieten zum Karriereschub"
Christian Arnig könnte Dutzende Doktortitel vor seinen Namen stellen - er ist Doktor-Ghostwriter, vier Dissertationen schreibt er im Jahr für fremde Auftraggeber. BWL, Jura, Kunstgeschichte? Kein Problem. …

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/ghostwriter-doktorarbeiten-fuer-intellektuelle-nieten-a-883008.html
^^

Fragele !??:
Hat jener Käufer nu eine Dr. Bestandsgarantie !, wenn jene Dr. Hersteller-Agentur einen Zettel beilegt auf dem steht, dass die erstellten Texte nur "zu Übungszwecken" verwendet werden dürfen !!???

^^
Die Gier nach Titeln wird in Deutschland immer größer: Seit Anfang der Nullerjahre steige die Zahl der Fremdautoren, so Arnig, die Preise fallen. Einen Guttenberg-Knick habe es nicht gegeben, im Gegenteil: Dadurch hätten viele erst von der Existenz der Agenturen erfahren.
^^

-----

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

Antworten Kommentar melden

10.02.2013 14:00 Uhr

Da !!!:

http://www.sueddeutsche.de/politik/anette-schavan-ueber-guttenberg-ich-schaeme-mich-nicht-nur-heimlich-1.1065529-2

Und dann sollte Mensch durchaus beachten !, dass Dissertationen ! - auch in Deutschland !! – bekanntlich käuflich erworben werden !!!/worden sein !!!! - können !!!!

Un jetzertle !, sollte Mensch das Denken !! beachten !!!:

Jener ! Produzent !! – der für den Käufer !!! – jene Dissertation »*Das Wort „Dissertation“ stammt vom lateinischen Wort „dissertatio“ ab, welches „Auseinandersetzung“, „Erörterung“ oder „ausführliche Besprechung“ bedeutet.* http://de.wikipedia.org/wiki/Dissertation *« produziert !!!! macht wohl was !? wie !!?? !!!?????

-----

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

Antworten Kommentar melden

10.02.2013 13:42 Uhr

Ich vermute mal nicht !,

dass mir jemand anhängen will !!, ich wäre ein Propagandist jenes tums jener UNI-on jenen „sozialen“ und nichtsozialen „Christen“ mit ihrer giftiggelben asozialen Entde der spätrömischen Dekadenz der Plutokratie !!!, doch Mensch sollte bei der ganzen Schavanerie ! auch auf das Wesentliche schauen ! und das Wesentliche ! - vom wesentlich weniger Wesentlichen - , trennen !!!

zu Klaus (Kurzform von Nikolaus » nike = der Sieg (Altgriechisch); laos = das Volk (Altgriechisch)) *http://www.vorname.com/name,Klaus.html * Kopp:

**Die ganze Angelegenehit wäre sicher nicht so stark untersucht worden, wenn Frau Schavan nicht beim "Fall Guttenebrg" derart lauthals seinen Rücktritt gefordert hätte und sich damit angreifbar gemacht hat.**

Guckst du die Langform von :
***
Schavan: Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich. Und das wird Karl-Theodor zu Guttenberg nicht anders gehen.
***

Antworten Kommentar melden

09.02.2013 18:05 Uhr

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Bereits am 21. September 2006 hielt der Ulmer Oberbürgermeister anlässlich der Feierlichkeiten des 20-jährigen Jubiläums der Wissenschaftsstadt ausdrücklich Frau Schavan im Saal des Stadthauses dazu an, in der von ihr zuvor selbst in ihrem Vortrag angesprochenen Frage einer zunehmend gefährdeten Kohäsion des hiesigen Gemeinwesens ihrerseits notwendig gleichsam Farbe zu bekennen. Obwohl sie damals den ihr namens der Allgemeinheit verliehenen Doktorgrad öffentlich führte, wich sie dem zweifelsfrei seitens der Stadtspitze berechtigt geäußerten Anliegen aus. Dass nunmehr der Rat der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf ihr seit vergangenen Dienstag keine andere Wahl lässt, als auf dem Wege einer von ihr innerhalb von vier Wochen zu begründenden Klage ihre Haltung dazu vor Gericht endlich zu offenbaren, um nicht ihrer akademischen Würde vollends verlustig zu gehen, entbehrt nicht der Ironie nach dem Motto: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Antworten Kommentar melden

09.02.2013 17:24 Uhr

Schavans Rücktritt

Es war unabdingbar, dass Frau Schavan zurück getreten ist und die Konsequenz aus Ihrem Fehlverhalten ziehen muss. Die ganze Angelegenehit wäre sicher nicht so stark untersucht worden, wenn Frau Schavan nicht beim "Fall Guttenebrg" derart lauthals seinen Rücktritt gefordert hätte und sich damit angreifbar gemacht hat.
Das Problem ist nun, dass sich die Ulmer CDU einen neuen Kandidaten für die Bundestagswahl suchen muss, da auch hier Frau Schavan sicher nicht mehr tragbar ist. Das hätte die örtliche CDU bereits bei der Kandidatenkür wissen müssen und hätte niemals Frau Schavan erneut zur Kandidatin machen dürfen. Aber wie immer in der CDU es klappt erst, wenn es richtig Ärger gibt, ganz besonders bei der Ulmer CDU, die ja immer wieder "Spezialkandidaten" hat.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Annette Schavan und ihr Doktortitel

Die Plagiatsvorwürfe, die Aberkennung des Doktortitels, der Rücktritt als Bundesbildungsministerin und die gescheiterte Klage: Alles zum Fall um Annette Schavans Doktortitel.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gaffer von Heidenheim soll mit Video identifiziert werden

Die Polizei hofft, den Gaffer von Heidenheim mit Hilfe von Videoaufnahmen eines Autofahrers identifizieren zu können. weiter lesen