Saakaschwili geht im Zorn

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Ein schwerer Mann mit weichem Gesicht, von dem das Lächeln nur schwer zu vertreiben ist: Micheil Saakaschwili verbreitet meist Sanftmut. Aber unlängst machte er ein böses Gesicht, und das überzeugend. Er habe als Gouverneur nie die reale Macht in Odessa besessen, schimpfte er. Staatschef Petro Poroschenko habe diese Macht „den Korruptionären und Feinden der Ukraine“ überlassen. „Der Präsident unterstützt hier zwei Klane“, so Saakaschwili. Der eine sei kriminell, bestehe aus Killern der 90iger Jahre, der Klan des Bürgermeister. Der andere werde vom Vorsitzenden des Gebietsparlaments angeführt. „Aber die sollen nicht glauben, sie seien mich los“, Saakaschwilis eher weiches Russisch klang drohend. Er wolle solange weitermachen, bis die Ukraine von korruptem Schmutz befreit sei.

Dennoch erklärte Saakaschwili seinen Rücktritt als Gouverneur des Gebiets Odessa. Im Mai 2015 hatte Poroschenko dem früheren georgischen Präsidenten diesen Posten zu Verfügung gestellt. Saakaschwili sollte exemplarisch die für Schmuggel und Rauschgifthandel berüchtigten Behörden der Hafenstadt säubern. Die Kampagne ist wohl gescheitert. Dafür hat Saakaschwili das politische Kriegsbeil gegen Poroschenko und sein Gefolge ausgegraben.

Viele Ukrainer glauben dem Korruptionsbekämpfer aus dem Kaukasus. „Für die Leber ist es schwer, gesund zu werden, wenn das Gehirn dem Mund weiter erlaubt, Wodka zu trinken“, schreibt der odessitische Blogger Sergei Zoof auf Facebook.

Aber manche Beobachter in der Ukraine halten auch Saakaschwili für einen sehr relativen Oppositionellen. „Bei aller Schelte kritisiert er Poroschenko selbst relativ vorsichtig“, sagt der Politologe Juri Karasjew. Bleibt abzuwarten, wo die Karriere des Georgiers in der Ukraine, dem Land der politischen Intrigen, enden wird. Stefan Scholl

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