Rosenmontag im März

Was hatten einige befürchtet, wie wurde im Vorfeld geunkt: Die tollen Tage könnten zu einer Neuauflage der Kölner Silvesternacht werden.

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Marodierende Horden von Südländern, die als Heino verkleidet pöbeln und Gewalt anwenden. "Besorgte Bürger" und Konsorten beschworen munter Horrorszenarien.

Und was ist passiert? Tatsächlich: Gewalt! Von Naturgewalt wurde das närrische Treiben überschattet, Umzüge und Narrensprünge schlicht vom Winde verweht. Wolkenbrüche statt Konfettiregen. Kein Terror, kein Bürgerkrieg. Nur das Wetter also. Irgendwie profan - irgendwie beruhigend. Man fragt sich fast, womit einige Politiker, die vorher verbal scharf ins Blaue geschossen hatten, jetzt weiter Wahlkampf machen wollen?

Apropos Wahlen: Die verantwortlichen Düsseldorfer Obernarren haben nun angekündigt, was die Konfetti-Kollegen freut: Der ausgefallene Rosenmontagszug wird am 13. März nachgeholt. Die Info ist keine olle Kamelle, sondern frisch!

13. März? Da war doch was? Genau: Landtagswahl. In Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg. Aber nicht in Düsseldorf! Die Jecken müssen sich also nicht volltrunken gen Wahllokal schleppen, um dort per Kreuzchen etwas andere Narren ins Parlament zu befördern. Helau! Aloha! Alaaf!

Aber Moment mal: März, da war doch noch was? Richtig: Fastenzeit. Verzicht, Askese, Abspecken und so. Seit gestern - und bis Ostern. In Düsseldorf bekommen die katholischen Gläubigen in der Aschermittwochsmesse traditionell ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet - und spätestens dann muss die Narrenkappe abgesetzt sein. Eigentlich. Doch was sind schon 2000 Jahre Christentum gegen drängende närrische Feierwut?

Das musste denn auch Kardinal Rainer Maria Woelki einsehen, der rasch zum Jeckentum konvertierte und kraft seiner Autorität den Segen für den Ausnahmezustand in der Zeit innerer Einkehr und Buße spendete. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter mitspielt - sonst wird der Karneval zuletzt noch auf Weihnachten verlegt.

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