Flüchtlings-Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer eskaliert

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Einsatz einer Sea-Watch-Crew im Mittelmeer.  Foto: 

Oft sind es Bruchteile von Sekunden, die über das Schicksal eines Menschen entscheiden. Einer dieser Momente war für Ruben Lampart am Mittwochmorgen. Lampart ist Kapitän der Sea-Watch 2, dem zivilen Seenotrettungsschiff der gleichnamigen Berliner NGO, die sich seit 2015 zur Aufgabe gemacht hat Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten und die Praktiken der EU-Außengrenz-Politik zu dokumentieren. „Ich habe in meinem Kopf alle Notfallszenarien durchgespielt, ich dachte jetzt versenken sie unser Boot“.

Morgens um halb acht erhielt die  Sea-Watch von der Koordinierungsstelle für Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer (MRCC) in Rom den Auftrag, ein in Seenot geratenes Holzboot mit mehreren hundert Flüchtlingen zu retten. „Natürlich sind wir sofort los und haben das Boot gesucht. Immerhin gibt es eine im Seerecht verankerte Rettungspflicht“, sagt Lampart. Um 8.52 Uhr lassen die Freiwilligen vom Schiff aus ein Gummi-Rettungsboot ins Wasser, um die Menschen im Holzboot mit Rettungswesten auszustatten. Da befindet sich die Sea-Watch 20 Meilen vor der libyschen Küste: In der ausschließlichen Wirtschaftszone, in denen Libyen keine Rechte hat. Es sind keine libyschen Hoheitsgewässer, wie Jub Kassem, der Sprecher, der von der EU finanzierten libyschen Küstenwache, später behaupten wird.

Wenige Minuten später taucht ein Boot der libyschen Küstenwache und hält  mit 15 Knoten auf den Bug des Rettungsschiffs zu. Für Kapitän Ruben Lampart gibt es keine Möglichkeit auszuweichen. Am Ende sind es kaum 50 Zentimeter, die eine Kollision verhindern. Während der Kapitän die Crew des Rettungsbootes zurückbeordert, bringen die Libyer die 350 Flüchtlinge zurück nach Tripolis.  Diese Rückführung ist illegal. Die  Genfer-Flüchtlingskonvention untersagt, Flüchtlinge über die Grenzen von Gebieten hinweg auszuweisen, in denen ihr Leben bedroht sein könnte. Solange in Libyen Bürgerkrieg herrscht, müssen die Asylanträge erst in der EU geprüft werden, bevor es eine Rückführung geben kann.

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