Rechnung ohne den Wirt

90 Euro für die Plauderei mit Gästen - solche Lügen bringen Sterneköche in Verruf. Betroffen ist auch Vincent Klink in Stuttgart.

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Behält die gute Laune: Sternekoch Vincent Klink. Foto: Privat

Das Menü war vorzüglich. Da erkundigt sich das Servierfräulein, ob die Gäste der "Wielandshöhe" in Stuttgart mit Vincent Klinik, dem Chef, plaudern möchten. Das Angebot wird gerne angenommen, schließlich kommt man nicht jeden Tag einem Sternekoch so nah. Die Ernüchterung folgt mit der Rechnung: 90 Euro für das persönliche Tischgespräch.

"Das höre ich zum ersten Mal", kommentiert Klink (64) dieses immer wieder verbreitete "Erlebnis" in seinem Wirtshaus. Nicht mehr Kochen, nur noch Quatschen und trotzdem den Umsatz steigern - "das ist ja eine prima Geschäftsidee", lässt er die SÜDWEST PRESSE scheinbar gut gelaunt wissen. Doch in Wirklichkeit dürfte dem populären Küchenmeister mit eigener Fernsehsendung gar nicht zum Lachen zumute sein. Mit derlei Lügengeschichten wird nachhaltige Rufschädigung betrieben. Im Südwesten ist gerade Klink an der Reihe, zuvor wurde seinem Münchner Kollegen Alfons Schuhbeck (64) unterstellt, er wolle ohne vorherige Warnung 65 Euro für eine Weinempfehlung kassieren.

"Urban legends" nennen Experten diese modernen Wandersagen. Sie sind nichts weniger als eine neuzeitliche Form der üblen Nachrede, bei der auch häufig die Spitzengastronomie eine unfreiwillige Rolle spielt. Weiter Verbreitung auch dank allerlei Chatrooms und Lästerforen erfreut sich schon seit Jahren das kulinarische Ammenmärchen vom Hausverbot für Feinschmecker im Sterne-Restaurant, weil sie vom Teller des anderen genascht hätten. Obwohl bis zu 5000 Euro Belohnung ausgelobt wurden für eine Rechnung oder ein anderes glaubhaftes Dokument, womit sich ein derartiger Rauswurf belegen ließe, hat noch niemand Anspruch auf das Geld angemeldet.

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