Rabbiner wettern gegen Urteil zur Beschneidung

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Die Proteste gegen das Kölner Beschneidungsurteil reißen nicht ab. Die Konferenz Europäischer Rabbiner will heute und morgen in einer Dringlichkeitssitzung in Berlin über Schritte gegen das Urteil beraten. "Es handelt sich um den vielleicht gravierendsten Angriff auf jüdisches Leben in Europa nach dem Holocaust", erklärte der Präsident der Konferenz, der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt, gestern.

Das Urteil habe die Bedeutung der Beschneidung von Knaben für Glauben und Identität der Juden gründlich missachtet. Er sei sich sicher, dass die Entscheidung keinen Bestand haben werde, sagte Goldschmidt. Das Bundesjustizministerium erklärte, das Urteil werde "intensiv geprüft".

Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, erläuterte das Urteil in der Knesset, dem israelischen Parlament. Das Urteil sei eine Einzelfallentscheidung, die keine bindende Wirkung für andere Gerichte entfalte. Es sei selbstverständlich, dass die deutsche Regierung die Unabhängigkeit der Justiz achte. Das Landgericht Köln habe das Recht des Kindes auf die Unversehrtheit seines Körpers über die Religionsfreiheit gestellt. Beide Rechte seien verfassungsrechtliche Grundsätze. Die Religionsfreiheit gelte für alle Religionsgemeinschaften.

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Kommentare

10.07.2012 09:54 Uhr

Falsch herum

Nein. Es ist nicht der "gravierendste Angriff auf jüdisches Leben in Europa seit dem Holocaust".
Wer solches schreibt oder sagt, relativiert den Holocaust auf unzulässig, unerträgliche Weise.
Anders herum: Das sture Bestehen auf der beschenidung stellt den gravierendsten Angriff des ihn vertretenden Judentums innerhalb Europas dar - die Menschenrechtskonvention, die Kinderkonvention, das Grundgesetz: Normen, die auch wegen des Holocaust weltweit eingeführt und akzeptiert wurden.
Wollen die Juden jetzt wirklich vertreten, dass diese modernen Grundprinzipien des kulturellen Zusammenlebens von Menschen einen Angriff auf sie darstellen? Stellt diese Wertung nicht eine regelrechte Beleidigung für normaldenkende Menschenfreunde dar?

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10.07.2012 09:32 Uhr

Beschneidung ist eine Art von Vergewaltigung

Dass ein Gott vor 4000 Jahren von einem alten Mann verlangt hat, dass alle Penisse beschnitten werden sollen und Unbeschnittene auszurotten seien, halte ich weder für glaubwürdig noch für eine gute Idee dieses angeblichen Gottes. Da die religiösen Juden glücklicherweise den zweiten Teil dieses sogenannten Bundes nicht befolgen, wäre es gut, Kinder in Ruhe zu lassen, bis diese selbst entscheiden können. Vorher ist die Beschneidung eine Art von Vergewaltigung mit Schmerzen, Komplikationsrisiken und wohl auch negativen Folgen auf das spätere sexuelle Lustempfinden. Religionsfreiheit sollte auch für Kinder gelten. Und das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit sollte nur mit Zustimmung des Betroffenen oder aus vernünftigen Gründen aufgehoben werden. Und vernünftig kommt mir diese vor etwa 1400 Jahre später aufgeschriebene Geschichte nicht vor.

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