Putins Kamerad und potenzieller Nachfolger

Die russische Region Tula hat einen neuen Gouverneur: den Putin-Vertrauten Alexei Djumin. In Moskau spekuliert man nun, ob er zu Höherem berufen ist.

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Bisweilen war ihre Kameradschaft hauteng und tollkühn. 2010 harpunierte Wladimir Putin aus einem Schlauchboot in der Bering-See einen Grauwal mit einem Betäubungspfeil. "Schrecklich, Putin zielt aus einer Armbrust auf einen 15-Meter-Wal, der wie eine gigantische Kerze aus dem aufgewühlten Meer herausschießt", schreibt die Zeitung Komsomolskaja Pravda. "Djumin aber ist neben Putin, hält ihn fest, umklammert seinen Rumpf." Alexei Djumin war damals Putins Adjutant und engster Vertrauter. "Putin verlässt sich auf uns", sagte Djumin, "wie auf sich selbst."

Vergangene Woche hat Putin seinen ehemaligen Leibwächter zum Gouverneur der Region Tula ernannt. Nun spekuliert Moskaus Öffentlichkeit, ob Putin den Sicherheitsmann als neue Figur in der Politik installieren, oder ihn gar zu seinem Nachfolger machen möchte.

Formal ist der neue Job eher ein Karriereknick. In Kursk geboren, kam Djumin nach dem Studium an der Militärhochschule 1995 zum Föderalen Überwachungsdienst. Er diente unter Putin als Sicherheitsoffizier im Kreml, 2008 wurde er sein Adjutant, 2012 Stellvertretender Chef des Präsidialen Sicherheitsdienstes, 2014 übernahm er den gleichen Posten beim Militärgeheimdienst GRU. 2015 wurde er erst Stabschef der Landstreitkräfte, im Dezember stellvertretender Verteidigungsminister. Der Job, das wirtschaftlich schwache Tula zu verwalten, wirkt dagegen weniger sexy.

Über sein Privatleben ist wenig bekannt, doch Djumin ist "Held Russlands". Unklar, wofür genau er das höchste staatliche Ordenskreuz erhielt. Er leitete angeblich persönlich die Rettung des ukrainischen Staatschefs Viktor Janukowitsch im Februar 2014. Danach soll er als Kommandeur der "Streikräfte für Spezialaufgaben" an der Krim-Annexion beteiligt gewesen sein.

Kremlnahe wie oppositionelle Beobachter vermuten, Putin habe den Gefolgsmann erst bei Militäroperationen erprobt, nun betraue er ihn mit dem Gouverneursposten, um sein Profil zu erweitern. "Die einzige Erfahrung, die Djumin fehlt, ist Arbeit im zivilen Bereich", bloggt Sergei Dorenko, Chefredakteur der Radiostation Goworit Moskva. Er setzt schon auf Djumin als möglichen Nachfolger Putins.

Djumin selbst lässt durchblicken, er werde dem Kreml weiter treu dienen, egal welche Pläne man dort hege. "Ich bin Soldat. Das Vaterland sagte 'Vorwärts!', ich antwortete 'Zu Befehl'", erläuterte er gegenüber Journalisten seine Ernennung zum Gouverneur. Ob er sich darüber freue. "Ja natürlich. Alles andere wäre nicht richtig."

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