Putins „Freunde“ müssen ihm folgen

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Russische Beobachter freuten sich gestern über die Versöhnlichkeit, die Wladimir Putin in seiner Rede zur Lage der Nation verbreitet habe. Tatsächlich versicherte der Präsident, man werde niemandem in Russland eine bestimmte Weltanschauung aufzwingen. Aber er betonte auch, keiner habe das Recht, mit schönen Worten zu jonglieren, sich hinter Freiheitsgedanken zu verstecken und dabei die Gefühle andere Leute zu verletzen. Mit anderen Worten: Künstler oder Theaterleute, die mangelnden Respekt vor Gott und Vaterland zeigen, müssen auch in Zukunft mit Strafanzeigen schon berufsmäßig beleidigter Patrioten rechnen.

Laut Putin gilt es im kommenden Jubiläumsjahr, die bolschewistische Revolution von 1917 und ihre Folgen zu analysieren. Aber man dürfe nicht über jene Tragödien spekulieren, die praktisch jede russische Familie getroffen habe. Im Klartext: Eine offene Debatte der millionenfachen Morde in Lenins und Stalins Gulag hat gefälligst zu unterbleiben.

Putin versicherte, Russland suche keine Feinde, nur Freunde. Aber er verbat sich nicht nur „bestellte Informationskampagnen“ sondern auch „Belehrungen von oben herab“. Putins Freund kann wohl nur sein, wer Russland nicht kritisiert, sich nicht über russische Bombenangriffe auf Aleppo oder Folterungen in karelischen Haft­anstalten beschwert.

Putin scheint seine Versöhnlichkeit ausschließlich an Lakaien im In- und Ausland zu adressieren. Die ausländischen Kritiker nannte er gestern sarkastisch „unsere sogenannten Partner“. Zumindest erfreulich: Gegenüber der inneren Opposition hat er diesmal auf das Wort „Volksverräter“ verzichtet.

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