Provokation aus Nordkorea

Die Hoffnung auf einen neuen Politikstil in Nordkorea scheint sich zu zerschlagen. Auch der neue Machthaber Kim Jong Un provoziert. Er will eine Langstreckenrakete testen. Das verstößt gegen Vereinbarungen.

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Nordkoreas junger Diktator Kim Jong Un übt sich als Provokateur: In einer Militäranlage lässt er den Start einer Langstreckenrakete vorbereiten, so die Überzeugung westlicher Militärexperten. Satellitenbilder des privaten Fotodienstes, die auf dem Blog "38North" des US-Korea-Instituts in Washington veröffentlicht wurden, zeigen demnach, wie an einer Abschussrampe im Nordwesten des Landes mit Lastwagen und Treibstoffbehältern gearbeitet wird.

Nordkoreas Regierung hatte angekündigt, im April mit einer Langstreckenrakete einen zivilen Satelliten ins All zu schießen. Damit solle der 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung gefeiert werden, dem Großvater Kim Jong Uns. Andere Länder sehen darin allerdings einen Vorwand für einen Waffentest, der mit dem Ziel durchgeführt werde, eine Trägerrakete für Atombomben zu entwickeln. Eine UN-Resolution gegen Nordkoreas Nuklearprogramm verbietet dem Land den Einsatz von Langstreckenraketen.

Mit den Vorbereitungen ignoriert Pjöngjang scharfe internationale Proteste. Südkorea kündigte an, Nordkoreas Rakete abschießen zu wollen, falls sie dem eigenen Territorium nahe komme. Auch Japans Regierung beschloss gestern demonstrativ, den Flugkörper zu zerstören, sollte er in den japanischen Luftraum eindringen. Verteidigungsminister Naoki Tanaka ließ bereits Abwehrraketen in Stellung bringen.

US-Präsident Barack Obama, der kürzlich die von US-Truppen gesicherte innerkoreanische Grenze besucht hatte, forderte Pjöngjang auf, den Start abzusagen. Die Zusage für umfangreiche Lebensmittellieferungen, die Nordkorea im Gegenzug für die einstweilige Einstellung seines Atomprogramms bekommen sollte, nahm Obama verärgert zurück.

Dabei war die Ende Februar geschlossene Vereinbarung als ein Zeichen gesehen worden, dass Kim Jong Un womöglich bereit sei, den Konfrontationskurs seines im Dezember gestorbenen Vaters Kim Jong Il aufzugeben. Angesichts der seit Jahren angekündigten Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Staatsgründers könnte das Regime sich jedoch aus innenpolitischen Gründen gezwungen sehen, mit einem militärischen Schauakt Stärke zu zeigen. Andererseits ist das verarmte Land aber auch auf ausländische Hilfen angewiesen. Westliche Diplomaten hatten geglaubt, dass der junge Herrscher die US-Lebensmittelhilfen nutzen werde, um Sonderrationen zu verteilen und damit Wohlstand vorzutäuschen.

Die Vorbereitungen für den Satellitenstart sind nicht Pjöngjangs einzige Provokation. Südkoreanischen Berichten zufolge soll Nordkoreas Militär vor der Westküste zwei Boden-Schiff-Raketen ins Meer geschossen haben. Dabei könnte es sich ebenfalls um Tests gehandelt haben, womöglich aber auch um einen Protest gegen die Verlegung südkoreanischer und amerikanischer Kriegsschiffe ins Gelbe Meer.

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