Protest gegen Vorurteile

Der Zorn in den USA über tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten Schwarzen dauert an. Er war in Orlando (Florida) von einem Weißen erschossen worden. Gegen den Schützen wird bisher nicht ermittelt.

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Roland Martin ist einer der leidenschaftlichsten schwarzen Kommentatoren im US-Fernsehen. Wortgewaltig hat er sich vor vier Jahren für die Wahl Barack Obamas stark gemacht. Jetzt bringen ihn die Todesschüsse eines Weißen, der in seinem Wohngebiet freiwillig auf Sicherheitspatrouille geht, in Wallung. Dass das unbewaffnete Opfer schwarze Hautfarbe hatte und einen Kapuzenpullover trug, habe den Nachbarschaftswächter zur Waffe greifen lassen. Vorurteile und Klischees seien es, die nach wie vor das Bild der Afro-Amerikaner in den Augen der Weißen bestimmten. "Klischees mit tödlichen Folgen", nennt das Martin. "Wir Schwarze haben diese Klischees satt."

Die Debatte nach Trayvon Martins Tod reißt alte Wunden auf - Wunden des Rassismus, von denen viele glaubten, sie seien längst verheilt. Die Tatsache, dass über drei Wochen nach der Tat der mutmaßliche Todesschütze - ein 28-Jähriger - nach wie vor auf freiem Fuß ist, lässt bei Millionen Afro-Amerikanern in den USA den bösen Argwohn aufkommen, dass Schwarze und Weiße vor dem Gesetz noch lange nicht gleich sind.

"Sie können in diesem Land umgebracht werden, weil sie schwarz sind", sagt ein Demonstrant bei einer Protestaktion in Washington, an der 2000 Menschen teilnahmen.

Trayvon war am 26. Februar in Stanford, einem Vorort von Orlando, getötet worden. Der Todesschütze George Zimmerman gab an, er habe aus Notwehr gehandelt. Er soll den Jungen in einem Anruf bei der Polizei vor der Tat mit einem rassistischen Schimpfwort bedacht haben. Die Behörden erklären, Untersuchungen hätten nicht genügend Beweise für ein kriminelles Verhalten Zimmermans erbracht.

Seit der Fall überall in den USA bekannt ist, hat die Wut Afro-Amerikaner im ganzen Land erfasst. Besonders erregen die jüngsten Sprüche des Fox-News-Moderators Geraldo Rivera, die laut Kritikern die alten Vorurteile bestätigen. Zwar verurteilt Rivera den Tod des Jungen und betont, dieser sei unschuldig. Doch dann stimmt der TV-Mann in das altbekannte Lied ein. "Ich wette um Geld: Wenn der Junge nicht diesen Kapuzenpullover getragen hätte, wäre ihm der Möchtegern-Polizist nicht nachgestiegen.

Obama verurteilt diese Vorurteile: "Wenn ich einen Sohn hätte, er würde wie Trayvon aussehen", sagt er. Worte, die die Stimmung kaum beruhigen. Ebenso wenig wie das 10 000-Dollar-"Kopfgeld", das die Schwarzenorganisation The New Black Panther Party auf den Schützen aussetzte. "Wir wollen Gerechtigkeit", meinen die Panther. Es genüge nicht, dass der Polizeichef in Stanford suspendiert sei.

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