Kommentar zu weniger Asylbewerber: Probleme nur verschoben

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Politikredakteurin Tanja Wolter.  Foto: 

Der starke Rückgang der Flüchtlingszahlen im vergangenen Jahr ist keine große Überraschung. Die Balkanroute ist seit dem Frühjahr 2016 dicht, der Flüchtlingsdeal  der EU mit der Türkei zeigt ebenfalls Wirkung. Entsprechend demonstrieren der Innenminister und die Bamf-Spitze in Berlin Zuversicht, auch wenn der große Berg an unbearbeiteten Asylanträgen die gute Laune derzeit noch etwas trübt.

Kann das „Krisenjahr“ 2015 also abgehakt werden und Deutschland in den Modus „geordnete Verhältnisse“ zurückkehren, den so viele Bürger herbeisehnen? Bei aller Erleichterung über die Statistik: Nein. Erstens ist keine einzige Fluchtursache in den Krisen- und Armutsherden der Welt beseitigt, zweitens haben es die Bundesregierung und Brüssel mit einem unberechenbaren Präsidenten in der Türkei zu tun,  drittens sind die europäischen Länder in der Frage nach einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen keinen Schritt vorangekommen.

Ein Blick über die Grenzen zeigt, wie es wirklich um die Flüchtlingskrise in Europa steht.  Aktuell werden auf dem Balkan, wo tausende Menschen gestrandet sind, die ersten Kältetoten gezählt. Auf griechischen Inseln grassiert bei Minusgraden in Zeltlagern der blanke Horror. In italienischen Großstädten gehören obdachlose Flüchtlinge zum alltäglichen Straßenbild. Und kriminelle Schleuserbanden schicken nach wie vor Tausende auf Booten, die diese Bezeichnung nicht verdienen, in den sicheren Tod.

Für Genugtuung besteht also kein Anlass. Wer diese demonstriert, vergisst, dass die Probleme nicht behoben sind, sondern nur verschoben.

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