Potenz für die Ohren

Tübinger Wissenschaftler fanden im Tierversuch heraus: Eine Viagra-ähnliche Substanz schützt das Ohr vor Lärmschäden.

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. Das Glück hilft in der Kriminalistik immer wieder mit. Dann ist von "Kommissar Zufall" die Rede. Auch die Wissenschaft kommt durch glückliche Umstände voran. In Tübingen waren Forscher des Pharmakonzerns Bayer gebeten worden zu prüfen, ob der Arzneistoff Vardenafil, der zur gleichen Substanzklasse gehört wie das Potenzmittel Viagra, zur Behandlung von Tinnitus geeignet ist.

Was kam dabei heraus? Gegen das Pfeifen im Ohr half das Mittel nicht. Immerhin vermochte es den Hörverlust verringern, der mit Tinnitus einhergeht. Wichtiger noch: Vardenafil wirkte im Tierversuch vor und nach einem Schalltrauma und verhinderte einen Hörschaden. Das ansonsten zur Behebung von Erektionsstörungen eingesetzte Präparat hemmt den Abbau einer Substanz, der die fragilen Haarsinneszellen im Innenohr vor Verletzungen schützt.

Bei dem Versuch setzten die Wissenschaftler leicht narkotisierte Ratten eine Stunde lang einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse aus, die dem eines startenden Düsenjets entspricht. Bei denjenigen Tieren, die zuvor Vardenafil erhalten hatten, blieb das Hörvermögen erhalten. Doch nicht nur der präventive Einsatz der Substanz führte zum Erfolg. Auch solche Ratten, die bis zu 24 Stunden nach der Tortur Vardenafil erhielten, blieben vor bleibenden Hörschäden verschont.

Das Bedeutsame an den Tübinger Forschungen: Die Wissenschaftler haben jetzt den komplizierten Wirkmechanismus verstanden, der die Haarsinneszellen vor lärmverursachten Schäden schützt. Professor Marlies Knipper vom Hörforschungszentrum in Tübingen hofft, dass sich die gewonnenen Erkenntnisse auf Menschen übertragen lassen. Bestätigt sich das in klinischen Studien, könnten etwa Soldaten, die bei Explosionen einen Gehörverlust erlitten haben, behandelt werden. Vorstellbar auch die präventive Einnahme der Substanz.

Da denkt man gleich an Heavy-Metal-Musiker und ihre Zuhörer. Sie könnte das Präparat vor Hörschäden schützen - und eventuell auch zu mehr sexueller Standfestigkeit verhelfen. Knippers Mitarbeiter Lukas Rüttiger warnt schon jetzt vor Missbrauch: "Eine Lifestyle-Droge darf das nicht werden."

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