POLITISCHES BUCH: Polemik zum Kapitalismus

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Kapitalismuskritik hat Konjunktur. Die anhaltende Banken- und Schuldenkrise bietet ja auch jede Menge Anlass für Wirtschaftstheoretiker wie Fachfremde, mit dem entfesselten Marktgeschehen oder verantwortungslosen Finanzjongleuren abzurechnen, die sich in der neoliberalen Ära nach Herzenslust austoben durften. Doch die Autoren geben zu bedenken, dass "feuilletonistische Kapitalismuskritik", wie sie gern von Kulturwissenschaftlern wie Joseph Vogl vorgetragen wird, "überall dort auf den Plan tritt, wo sie dem System garantiert nicht schadet".

Die Frage allerdings ist, ob eine journalistische Polemik, wie sie hier präsentiert wird, mehr erreicht. Es stimmt, dass das herrschende politische Krisenmanagement eher die Stabilisierung von Geldinstituten und Finanzplätzen im Blick hat, weniger die ungerechte Verteilung von Vermögen oder die Zukunftschancen junger Menschen. Ebenso ist richtig, dass manche Medien die wahren Ursachen der Krise verschleiern - aber muss man sie deshalb pauschal als "Blödmaschinen" denunzieren, die den Kapitalismus als reines "Spektakel" betrachten?

Anregend ist die Lektüre gewiss, aber brauchen wir nicht statt unterhaltsamer Pamphlete ernsthafte Gegenentwürfe? "Dem Kapitalismus gegenüber recht zu haben, ist keine Kunst", so heißt es im Buch, "es kommt darauf an, zu erkunden, was nach ihm kommen soll." So ist es. Die "Revolte", auf die Metz und Seeßlen offenkundig setzen, dürfte in dem schmalen Band jedenfalls keine Initialzündung finden. Info Markus Metz/Georg Seeßlen: Kapitalismus als Spektakel oder Blödmaschinen und Econotainment. Suhrkamp Verlag, Berlin. 96 Seiten, 5,99 Euro.

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