POLITISCHES BUCH: Metropole des Todes

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Otto Dov Kulka, der heute 80 Jahre alte Historiker aus Jerusalem, hat viele Jahre als Professor über die Geschichte des jüdischen Volkes und des Holocaust geforscht und gelehrt. Stets tat er dies als akribisch arbeitender Wissenschaftler, nie als persönlich betroffener Zeitzeuge. Seine Erinnerungen an jene Jahre, die er als Kind im KZ Auschwitz verlebte, hatte er einem Tagebuch anvertraut, zum Gegenstand akademischer Studien machte er sie nie.

Nun aber hat Kulka, der in der Tschechoslowakei geboren wurde, den Weg noch einmal nachgezeichnet, der ihn an der Seite seiner Mutter erst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz und schließlich auf einem der berüchtigten Todesmärsche in die Freiheit führte. Offenbar wollte der Autor die ihm verbleibende Zeit nutzen, nun doch ein ebenso subjektives wie ergreifendes Zeugnis über den Horror des Lagers, die Schrecken der Selektion und das Trauma vom Verlust der Familie zu schreiben, das der Nachwelt erhalten bleibt.

Entstanden sind die erschütternden Erinnerungen an das verzweifelte Leben eines Jungen in hoffnungsloser Gefangenschaft, an Todesängste und Hunger, dazu die Reflexionen eines Mannes, der sein Berufsleben genau diesem Thema gewidmet hat: dem Holocaust und den "Metropolen des Todes", wie das KZ Auschwitz und andere Vernichtungslager genannt wurden. Es ist ein Dokument, das zugleich verstört und erhellt, es steht fortan in einer Reihe mit den Werken von Primo Levi, Imre Kertesz und Ruth Klüger. Info Otto Dov Kulka, Landschaften der Metropole des Todes. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013. 192 Seiten. 19,99 Euro.

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