POLITISCHES BUCH: Kennedys Tod hautnah

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Bill OReilly/Martin Dugard:

Killing Kennedy. Droemer Verlag, München 2013. 400 Seiten,

19,99 Euro.

Was hätte man alles über den Tod des US-Präsidenten John Fitzgerald Kennedy erzählen können, der vor knapp 50 Jahren erschossen wurde: War Lee Harvey Oswald, der Attentäter von Dallas, von der Mafia beauftragt worden, den von ihr gehassten Staatschef zu ermorden? Steckte der US-Geheimdienst CIA dahinter oder ließ, mitten im Kalten Krieg, der Kreml den Präsidenten beseitigen?

Bill OReilly und Martin Dugard befassen sich in ihrem Buch "Killing Kennedy" mit solchen Fragen nicht. Sie verwenden große Mühe darauf, die Bluttat des 22. November 1963 als "menschliche Tragödie" darzustellen - mit Oswald als ausschließlich von persönlichen Problemen getriebenem Einzeltäter. Das entspricht der offiziellen Lesart der Ereignisse aus US-Sicht und ist damit keineswegs sensationell. Dass ein junger Mann, der sich selbst als Kommunist bezeichnete und vor dem Attentat am liebsten nach Kuba ausgewandert wäre, nur deshalb den Präsidenten erschießt, weil er seine Ex-Frau nicht zurückerobern kann, erscheint zumindest fragwürdig. Leider gehen die Autoren auf diesen springenden Punkt nicht ein, obwohl sie Oswalds Vorleben ausführlich schildern.

Dabei haben sich der renommierte Journalist OReilly und der Schriftsteller Dugard intensiv mit den Umständen der Ermordung Kennedys befasst. OReilly stand eigenen Angaben zufolge sogar vor dem Haus eines Informanten, als dieser sich selbst erschoss - er hätte über eine russische Verbindung zu Oswald aussagen können. OReilly behält sich diese Begebenheit für das Nachwort vor. Und verschweigt, ob er weiter recherchiert hat.

Was die Lektüre des Buches trotz der inhaltlichen Schwächen spannend macht, ist sein Detailreichtum. Historisch betrachtet ist es jedoch nicht von Belang, welcher Designer die Kleider der First Lady Jacqueline "Jackie" Kennedy entworfen hat. Die sexuellen Eigenarten ihres Ehemannes sind ebenfalls nicht relevant. Und die Einzelheiten, mit denen das Attentat und das Sterben des Präsidenten im Stil einer Reportage beschrieben werden, sind eindrücklich bis hin zum Voyeurismus. "Er ist tot. Sie haben ihn umgebracht. O Jack, o Jack. Ich liebe dich", lassen die Autoren die Ehefrau sagen, die ihren Mann zu Lebzeiten gerne "Jack" nannte.

Für den Leser entsteht durch die faktenstrotzende Erzählweise der Eindruck, er sei mitten im Geschehen. Zur Bewertung der Schüsse von Dallas wird er allerdings weitergehende Lektüre benötigen.

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