POLITISCHES BUCH: Gefangen im Land der Tränen

Marcus Hellwig recherchierte das Schicksal einer zum Tode Verurteilten im Iran und geriet dabei selbst in Haft. Darüber erzählt er nun in seinem Buch.

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Marcus Hellwig und der Fotograf Jens Koch werden am 10. Oktober 2010 vom iranischen Geheimdienst verhaftet und mehr als vier Monate inhaftiert worden. Beide hatten mit dem Sohn der zum Tod durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakineh Ashtani ein Interview geführt. Sie wollten die Umstände recherchieren, die zur Verurteilung der Iranerin geführt hatten. Der Vorwurf der Spionage diente dem iranischen Regime als Vorwand, um die beiden ins Gefängnis zu stecken.

Hellwig erzählt in dem Buch fesselnd, wie während der Inhaftierung der Schlafentzug und die Schmerzensschreie der gefolterten Mitgefangenen an seinen Nerven zerren. Das Buch dokumentiert auch sein eigenes Hoffen und Bangen, die Ungewissheit und Ängste in der ausweglosen Lage.

Hinzu kommen stundenlange Verhöre mit Misshandlungen durch die Peiniger des iranischen Geheimdienstes, der ein Geständnis erpressen will, um ihn als Spion verurteilen zu können. Hellwig entlarvt die heuchlerische Pressekampagne des iranischen Regimes, das ihm und dem Fotografen einen Tag Hafturlaub in einem Fünfsternehotel in Teheran gewährt. In das Hotel lud das Regime Journalisten ein, um dadurch der Welt zu zeigen, wie gut die beiden angeblich behandelt würden. Doch bereits am nächsten Tag waren sie wieder im Geheimdienstgefängnis der Pasdaran in Täbris.

Viele Gespräche von Hellwig mit inhaftierten iranischen Oppositionellen, die er im Buch dokumentiert, geben einen Eindruck über den Umgang des Regimes mit diesen Menschen. Immer wieder erlebt Hellwig, wie iranische Mithäftlinge übersät mit Hämatomen in die Zelle zurückkommen, nachdem sie der iranische Geheimdienst verhörte. Nach einer engagierten Intervention des deutschen Außenministeriums und des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff dürfen die beiden Inhaftierten Hellwig und Koch am 19. Februar 2011 nach Deutschland ausfliegen. Sie sind frei.

Das Buch ist ein informativer Bericht über die ausweglose Lage der oppositionellen Kräfte im Iran und über die Willkür, mit der der Staat gegen tatsächliche oder oftmals nur vermeintliche Oppositionelle vorgeht. Mehr als alle Fakten beeindruckt den Leser ein Satz, den ein mitinhaftierter Oppositioneller Marcus Hellwig über die Lage im Iran zurief: "Das hier ist das Land der Tränen. Das hier ist die Hölle."

Info Marcus Hellwig: Inschallah. Gefangen im Iran. Quadriga Verlag, Köln 2012. 256 Seiten, 16,99 Euro.

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