POLITISCHES BUCH: Amerikanische Sorgen

Die Angst vor dem Abstieg, Folgen der Schuldenlast und die Rolle der "Tea Party": Ein neues Buch über die USA zeigt ein Land voller Gegensätze.

|

Barack Obama war der politische Hoffnungsträger für Millionen von Menschen. Vier Jahre nach Beginn seiner Präsidentschaft ist die Bilanz ernüchternd. Das zeigt Wolfgang Geier in seinem Buch "Obamerika".

Die Sorge vor dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abstieg hat in den USA die Mittelschicht erfasst: Während vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten fast 60 Prozent der Bürger einen Arbeitsplatz mit entsprechendem Einkommen hatten - sei es als Arbeiter in der Autoindustrie oder einem anderen florierenden Industriezweig - sind es heute nur noch 40 Prozent. Geier geht von einer Arbeitslosigkeit aus, die höher liegt als die 9 Prozent der offiziellen Statistik. Denn Langzeitarbeitslose und junge Erwachsene, die den Einstieg ins Berufsleben nicht schaffen, werden darin nicht erfasst. Sie alle mit eingerechnet, liege die Arbeitslosigkeit bei etwa 15 Prozent, schreibt der Autor.

Die USA ächzen unter einer gigantischen Schuldenlast, die Barack Obama als Präsident innerhalb von vier Jahren von 10 Billionen auf 15 Billionen Dollar erhöhte. Die leeren Staatskassen und die Überschuldung führen dazu, dass die Infrastruktur, die einst als vorbildlich galt, zerfällt. Geier berichtet anschaulich über Stromausfälle, sanierungsbedürftige Brücken und kaputte Straßen, auch am Beispiel seiner Gattin, die in Washington fast Opfer knochenbrechender Stolperfallen wurde. In einigen Regionen reagieren Behörden auf ihre Weise auf den chronischen Geldmangel: Sie erneuern nicht den Belag schadhafter Straßen, sondern wandeln sie wieder in Schotterwege um.

Anschaulich analysiert der ORF-Korrespondent die politische Lage vor der anstehenden Präsidentschaftswahl. Geier macht die konservative Bürgerbewegung "Tea Party" als Obamas eigentliche Opposition aus. Sie übe während Wahlen großen Einfluss aus, weil sie es schaffe, Menschen zu mobilisieren. "Tea Party"-Kandidaten im Parlament beeinflussten mit ihren konservativen Überzeugungen das Profil der republikanischen Partei und auch deren politische Verantwortungsträger - etwa den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney und John Boehner, den Sprecher des Repräsentantenhauses. Laut Geier verdanken die Republikaner der "Tea Party", dass sie nach Obamas Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2008 bereits zwei Jahre später im Repräsentantenhaus die Mehrheit zurückeroberten.

Info Wolfgang Geier: Obamerika. Berichte aus dem Land der unbegrenzten Gegensätze. Galila Verlag, Etsdorf. 240 Seiten, 23,90 Euro.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hoffen und Bangen vor dem Prozess gegen Mesale Tolu

Am Montag entscheidet sich, ob die Journalistin frei kommt. Die Familie ist optimistisch. Diplomaten und Prominente verfolgen die Verhandlung im Istanbuler Justizpalast. weiter lesen