Politische Gespräche nach Drohnen-Eklat

Beim Fußball-Länderspiel Serbien gegen Albanien sorgte ein nationalistischer Drohnen-Pilot für einen Eklat. Das politische Nachspiel fällt friedlicher aus.

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Nach dem abgebrochenen Fußballspiel zwischen Serbien und Albanien vergangenen Dienstag bemühen sich führende Politiker beider Länder um Schadensbegrenzung - bei anhaltender Empörung ihrer jeweiligen Wählerschaft. Bei einem Europameisterschafts-Qualifikationsspiel in Belgrad hatten Unbekannte eine Drohne mit einer Fahne "Groß-Albaniens" über dem Feld kreisen lassen. Daraufhin hatten Zuschauer den Platz gestürmt und albanische Spieler attackiert.

Der Zwischenfall sorgte für Aufwallungen. In der serbischen Kleinstadt Sombor setzten Unbekannte eine von Albanern betriebene Bäckerei in Brand. Serbiens Premier Aleksandar Vucic nannte den Drohnenflug eine "gezielte Provokation, die unseren Stolz verletzen sollte". Staatspräsident Tomislav Nikolic sprach von einem "Attentat" auf die serbisch-albanischen Beziehungen. Solche Aktionen könnten "menschliche Opfer kosten", fügte er an.

Während in Serbien ausschließlich der Coup mit der Fahne Thema ist, spricht ganz Albanien nur von der feindseligen Stimmung beim Spiel und der Attacke der Hooligans. Albaniens Außenministerium übermittelte über den serbischen Botschafter in Tirana einen förmlichen Protest an Belgrad. Auf der Website des Außenministeriums stand, "serbische Führer" hätten "politische Verleumdungen gegen das albanische Volk und den Staat Albanien ausgestoßen".

So etwas wie nationale Selbstkritik kam hingegen - wenn auch verklausuliert - von den beiden Premierministern Vucic und Edi Rama. Albaniens Premier Rama sagte, Albanien müsse "ein Modell des Friedens" sein und dürfe nicht auf das Niveau des Fußballspiels fallen. Für Mittwoch hat sich Rama zu einem lange geplanten Besuch in Belgrad angesagt, dem ersten eines albanischen Regierungschefs seit 1946.

Nach dem Spiel hatten sich US-Vizepräsident Joe Biden, EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, und westliche Botschafter in Belgrad und Albanien eingeschaltet, um das Treffen zu retten. Nach der ersten Aufwallung kamen gestern aus beiden Hauptstädten versöhnliche Töne. Sowohl Rama als auch Serbiens Präsident Nikolic sagten, die Ereignisse dürften nicht die Politik dominieren. Rama nannte das Spiel "eine Katastrophe für den Sport".

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