Plagiator will im Amt bleiben

Der drohende Staatspleite hat Ungarns Regierung weggesteckt. Die abgekupferte Doktorarbeit des Staatschefs bringt sie in Bedrängnis.

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Dem ungarischen Staatspräsidenten Pál Schmitt ist wegen erwiesener Plagiatsvorwürfe der Doktortitel vom Senat der Budapester Semmelweis-Universität für Medizinwissenschaften (SOTE) aberkannt worden. Mit 16 zu zwei Stimmen hatte die Prüfungskommission diesen Schritt empfohlen.

Nun stellt sich die Frage, ob er Staatschef bleiben kann. Ergraute Akademiker forderten bereits vor dem Präsidentenpalast den Rücktritt. Auch das regierungstreue Blatt Magyar Nemzet hat den Präsidenten zur Demission aufgefordert, und hinter vorgehaltener Hand geben sogar Politiker der regierenden Fidesz-Partei den Kritikern recht. Gerade die Regierung unter Premier Viktor Orban hatte dem Lande eine geistige Erneuerung versprochen, wollte sich durch Ehrlichkeit und Moral von ihren Vorgängern absetzen. Nun bringt sie die bürgerlichen Kreise gegen sich auf, die ihr bei der Wahl vor zwei Jahren Kredit gaben.

Im Januar hatte das Internet-Portal HVG enthüllt, dass der einstige Olympia-Fechter und Sportwissenschaftler Schmitt seine Doktorarbeit nicht selbst verfasst hatte. Von 215 Seiten entpuppten sich 180 als weitgehend wörtliche Übersetzung eines Weißbuchs, das ein bulgarischer Archivar für das Internationale Olympische Komitee geschrieben hatte. Schmitt hatte den französischen Text nur übersetzt. Siebzehn weitere Seiten stammen aus der englischen Übersetzung eines Werks des deutschen Sportsoziologen Klaus Heinemann.

Eine Untersuchungskommission der Uni hatte zunächst die Plagiatsvorwürfe zwar bestätigt, dann aber überraschend gefolgert: Das hätte der Universität auffallen müssen. Da es aber nicht entdeckt wurde, hätte der Autor "glauben dürfen, seine Arbeit entspreche den Anforderungen". Da könnte sich jeder Ladendieb damit entschuldigen, dass der Kaufhausdetektiv sein Delikt nicht bemerkt habe, höhnte die einflussreiche Kritikerin Eva Balogh.

Das Staatsoberhaupt ließ erklären, es gebe keinen Gedanken an Rücktritt. Während in Budapest gestern die Wogen hochgingen, weilte der Präsident nämlich zum Staatsbesuch in Südkorea - und nahm ein Ehrendiplom der Seouler Hankuk-Universität entgegen.

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