Photovoltaik braucht Energiespeicher

Die Kürzungen der Solarförderung sind richtig, sagt Christof Timpe, Energieexperte am Freiburger Öko-Institut. Für die deutsche Solarbranche könnte es jedoch hart werden. Sie sollte auf Innovationen setzen.

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Ist die Kürzung der Solarförderung richtig, passt sie zur Energiewende der Bundesregierung?

CHRISTOF TIMPE: Grundsätzlich halte ich es für richtig und wichtig, dass Kürzungen vorgenommen werden.

Warum?

TIMPE: Weil wir zwingend die extreme Dynamik der vergangenen zwei Jahre stoppen müssen. Der Ausbau der Photovoltaik sollte einen gemäßigten Verlauf nehmen. Es geht nicht darum, möglichst viel Masse zu machen, sondern darum, eine tragfähige und bezahlbare Technologie zu entwickeln.

War die Förderung zu erfolgreich?

TIMPE: Die Förderung heute installierter, sehr großer Photovoltaik-Leistung wird zu teuer und ist so auch nicht sinnvoll. Der Fehler ist, dass man schon vor eineinhalb Jahren hätte reagieren müssen. Stattdessen haben wir jetzt eine Branche, die aufgebläht ist, um die kurzzeitige hohe Nachfrage befriedigen zu können. Jetzt eine weiche Landung zu organisieren, wird jedoch schwierig, für die deutsche Solarbranche kann das erst mal sehr hart werden.

Was heißt das für die Solarbranche in Deutschland, hat die überhaupt noch eine Zukunft?

TIMPE: Wie bei anderen Technologien gilt auch hier: Wenn es darum geht Massenware kostengünstig herzustellen, wird Deutschland immer einen Nachteil haben gegenüber Schwellenländern wie China. Es wird darum gehen, den technologischen Vorsprung zu erhalten und durch Innovationen am Markt zu bleiben. Das sind Verbesserungen in den Zellen, vor allem aber die Kombination von Solaranlagen mit geeigneten Speichern und das intelligente Einspeisen der Energie ins Stromnetz.

Warum ist das so wichtig?

TIMPE: Wir werden es uns nicht erlauben können, ungebremst immer mehr Solarenergie ins Netz einzuspeisen. Das ist bei der Menge Energie, die durch Solaranlagen gewonnen wird, technisch schon bald nicht mehr möglich. Deshalb ist es auch sinnvoll, die Vergütung für nicht intelligente Einspeisung weiter abzusenken. Allein mit der Photovoltaik könnten wir bereits in einigen Jahren zumindest für einige Stunden im Jahr die komplette Last - also den gesamten Strombedarf - decken. Und da ist die Windenergie noch nicht berücksichtigt.

Kohle- und Kernkraftwerke sind bald komplett überflüssig?

TIMPE: Wir kommen in einen Bereich, in der die regenerativen Energien untereinander konkurrieren werden und andere Technologien wie Kernkraft und fossile Energie vom Markt drängen. Das erreichen wir am besten dadurch, dass wir die Photovoltaikanlagen mit Speichern ergänzen und so ein intelligentes Einspeisen ins Stromnetz ermöglichen. Das ist die Herausforderung und da könnten die deutschen Unternehmen führend werden.

Also mehr Geld für gezielte Forschung von Speichermöglichkeiten?

TIMPE: Ich glaube, dass es grundsätzlich richtig ist, nicht Firmen zu fördern, sondern über das EEG die Investoren, die neue Anlagen aufstellen. Wenn man durch Förderung eine Nachfrage erzeugt, ist das immer näher am freien Markt als eine bloße Förderung von Unternehmen. Zudem ist eine gezielte Technologieförderung, beispielsweise bei neuen Batterietechnologien, sinnvoll und notwendig.

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