Peru kämpft gegen die Naturgewalt

Heftige Regenfälle, starke Erdrutsche und Schlammlawinen überrollen zurzeit im Süden Perus ganze Dörfer. Mittendrin liegt ein Missionshospital mit vielen Ärzten und Missionaren aus Baden-Württemberg.

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Carolin Klett (28) aus Reutlingen ist seit drei Jahren Sozialarbeiterin im Hospital.

Gleich neun Häuser hat ein riesiger Erdrutsch im Andendorf Pisonai Pata im Süden Perus zerstört. Eine weitere Schlammlawine verhindert, dass ein Mann wenigstens noch das Geld findet, das er kurz davor von der Bank geholt hat. Er wollte ein Grundstück kaufen. Jetzt ist gar nichts mehr da. In manchen Dörfern gibt es seit Tagen kein Wasser, Felsbrocken blockieren Straßen, auch die wichtige Verbindung zwischen Cusco und Abanca ist betroffen, die Nordamericana.

Mittendrin liegt auf 2650 Metern Höhe das Missionshospital Diospi Suyana - am Stadtrand von Curahuasi in der Region Apurímac. Aus ganz Peru kommen Patienten, oft nach tagelanger Reise mit dem Bus, zu Fuß oder dem Esel, um sich hier behandeln zu lassen. Zurzeit unterstützen Ärzte und Mitarbeiter von hier die Menschen in den Erdrutschgebieten auch mit Decken, Lebensmitteln, Taschenlampen oder Kleidung, fahren in die Dörfer, helfen, wo es geht. "Ganze Hänge kamen herunter", berichtet die 28-jährige Carolin Klett. Die aus Reutlingen stammende Sozialarbeiterin arbeitet seit drei Jahren für das Hospital.

"Bis zu den zerstörten Häusern im Dorf Asmayacco konnten wir nicht kommen. Zelte sind weiter unten aufgestellt, der Weg nur mit Eseln passierbar", sagt sie. Asmayacco liegt nur wenige Kilometer von der Nordamericana entfernt.

In der Regenzeit gehören Erdrutsche zum Alltag. Genau wie kleine Rinnsale zu starken Sturzbächen anschwellen. Doch diesmal ist es so schlimm wie seit Jahren nicht mehr. Unterhalb des Missionshospitals hat der Fluss Apurímac die Straße überflutet. Auch Wege und Felder sind unpassierbar. Brechen lange Berghänge plötzlich ab, besteht akute Lebensgefahr. Dann verschwindet schon mal eine ganze Ansiedlung auf tragische Weise. Manchmal dauert es Tage bis Hilfe mit Eseln und Pferden die Unglücksorte erreicht.

"Die Regierung hat den Notstand in unserem Bundesstaat Apurímac ausgerufen, ebenso im Distrikt Cusco, damit Gelder für Hilfsaktionen leichter fließen können", berichtet Carolin Klett. Doch wie die Hilfe aussehen soll und wann sie ankommt, sei offen. "Hier läuft alles langsam." Das Hospital, in dem sie arbeitet, soll sich um kaputte Wasserrohre kümmern, hieß es diese Woche von Regierungsseite.

Viele Felder sind überflutet, Ernten zerstört, von denen die Dorfbewohner im Hochland leben. Weder Arbeit noch Einkommen bleibt ihnen. "Die Stimmung ist gedrückt, viele Kinder traumatisiert, manche Familien haben alles verloren. Doch niemand klagt oder fordert", erzählt die Sozialarbeiterin. "Sie sind dankbar, wenn wir etwas bringen." Selbst die Ärmsten hätten in Curahuasi für die gespendet, die nun noch weniger haben.

Klett studierte Soziale Arbeit und Sozialpädagogik in Esslingen. Ihr Herz für Peru entdeckte sie bei einem Praxissemester im Kinderwerk Lima. "Lima war der Anzünder. Mir war klar, dass ich da wieder hin will und auf jeden Fall noch eine Zeit in der missionarischen Arbeit verbringen möchte", sagt Klett. 2010 besuchte sie im Urlaub das Missionshospital. Schnell war klar, dass sie dort gebraucht wird.

Heute arbeitet die Sozialarbeiterin mit den Kinderärzten Hand in Hand, besucht Familien und kämpft gegen Alkoholexzesse, häusliche Gewalt und Missbrauch. "Viele Kinder werden zum Freiwild für alle, missbraucht, ausgenutzt zum Putzen und nur wenige besuchen regelmäßig die Schule."

20 000 Menschen leben in Curahuasi und in den umliegenden Bergdörfern. Die meisten sind Quechua-Indios, Nachfahren der Inkas. Sie fristen ein kümmerliches Dasein und sind sozial deklassiert. In ihren Lehmhütten fehlen Fensterglas, Strom, Wasser und Kanalisation. Trinkwasser fließt über Wasserläufe am Boden und ist mit Parasiten und Wurmeiern verseucht. Landarbeiter verdienen zweieinhalb Euro am Tag und bearbeiten die Felder wie zu biblischen Zeiten. Das nächste Regierungskrankenhaus ist 70 Kilometer entfernt und schlecht ausgestattet. Manche medizinischen Versorgungsstationen in den Dörfern wurden einfach geschlossen.

"Peru ist nur zur Hälfte ein Land der sogenannten Dritten Welt. Lima erscheint wie eine südeuropäische Großstadt und hat die teuerste Privatklinik für die reiche Oberschicht", weiß Klaus-Dieter John. Er hat mit seiner Frau Martina das Missionshospital aufgebaut und bisher mit knapp 20 Millionen US-Dollar Spendengeldern finanziert. "Zehn Millionen Quechuas haben keine Krankenversicherung. Die haben nur Mitarbeiter großer Firmen, Angestellte des Staates oder Mitglieder der Armee", weiß der Arzt. Zwar hätten arme Menschen laut Gesetz Anspruch auf Basisbehandlung, doch zwischen Theorie und Praxis klaffe eine große Lücke. Bis zu drei Monaten hätten sie auf einen Arzttermin zu warten, mit Geld gehe es schneller. Korruption, Lethargie und die Inkompetenz vieler Dorfpolitiker schaden dem Land massiv.

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