Papst geißelt Kapitalismus

Der Papst zementiert seinen Ruf als Reformer. Die Kirche soll sich öffnen und dezentral agieren. Harsche Kritik äußert Franziskus am Wirtschaftssystem.

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Papst Franziskus fordert konkrete Schritte zur Reform der katholischen Kirche. Notwendig seien eine "heilsame Dezentralisierung" und eine stärkere Beteiligung der Gläubigen an Entscheidungsprozessen, heißt es in seinem gestern veröffentlichten ersten apostolischen Schreiben namens "Evangelii gaudium" (Freude des Evangeliums).

In dem fast 200 Seiten starken Papier prangert Franziskus zugleich Auswüchse der globalen Wirtschaftsordnung an. Das System sei "in der Wurzel ungerecht". Diese Wirtschaft töte, weil sie allein nach dem Gesetz des Stärkeren funktioniere und eine Kultur des Abfalls schaffe, in der Menschen wie Müll behandelt würden. "Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt, werden sich die Probleme der Welt nicht lösen."

Er wünsche sich eine "arme Kirche für die Armen", so Franziskus. "Mir ist eine ,verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist."

Innerhalb der Kirche kritisierte Franziskus ein narzisstisches und autoritäres Elitebewusstsein. Er warnte auch vor einer Überforderung des Papstamtes. Man könne vom päpstlichen Lehramt keine endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten.

Mit Blick etwa auf den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener vom Abendmahl mahnte der Papst, "die Türen der Sakramente dürften nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden". In Deutschland fordert vor allem die Diözese Freiburg hierzu eine liberalere Haltung . Franziskus machte zudem deutlich, dass die Kirche bei ihrem konsequenten Nein zur Abtreibung bleiben werde.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, würdigte das Schreiben als "beeindruckende Analyse der derzeitigen Situation". In "klarer und erfrischender Sprache" zeige der Papst, wie die Kirche einen neuen Aufbruch wagen könne.

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