Papst Franziskus mahnt die Polen

Freundlich, aber deutlich: Papst Franziskus redet der polnischen Regierung ins Gewissen – und feiert mit tausenden Gläubigen eine Messe in Tschenstochau.

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Ein Moment des Schreckens: Papst Franziskus fällt während der Messe in Tschenstochau. Verletzt hat er sich nicht.  Foto: 

Papst Franziskus hat Polen davor gewarnt, sich international zu isolieren und Zwangsmaßnahmen im Innern anzuwenden. Das Land dürfe nicht „der Versuchung nachgeben, sich abzuschotten“, sagte er bei einer Messe unter freiem Himmel am polnischen Nationalheiligtum in Tschenstochau. Vor zehntausenden Menschen erinnerte er damit an die Weigerung der Regierung in Warschau, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Hintergrund sind auch Versuche der Regierung, das Verfassungsgericht zu schwächen. Papst Franziskus hält sich anlässlich des katholischen Weltjugendtags in Polen auf.

Polen müsse das Unrecht und die Verwundungen der Vergangenheit überwinden und Gemeinschaft mit allen schaffen, betonte der Papst bei der Messe zum 1050. Jahrestag der sogenannten Taufe Polens am Nationalheiligtum. „Von der Macht, der Größe und der Augenfälligkeit angezogen zu sein, ist in tragischer Weise menschlich.“ Sich an andere zu verschenken, Distanzen aufzuheben, im Kleinen zu wohnen und konkret im Alltäglichen zu leben sei dagegen in vortrefflicher Weise göttlich.

Polens Regierungschefin Beata Szydlo sieht die Aufforderung des Papstes, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, kritisch. „Wir müssen Hilfe leisten, aber gleichzeitig unsere Bürger schützen“, erwiderte sie gegenüber Medien. „Es gibt nichts Wertvolleres als Sicherheit und das ist ein Problem mit dem Europa gerade nicht zurechtkommt“.

Das Anliegen des Papstes, Verfolgten zu helfen, sei sehr wichtig, fügte die Regierungschefin hinzu. „Und das macht Polen“, sagte Szydlo und verwies auf Polens humanitäre Hilfe im Nahen Osten und die Aufnahme von Ukrainern in Polen. Polens nationalkonservative Regierung ist gegen eine dauerhafte Umverteilung von Flüchtlingen in Europa.

Mit Spannung erwartet wird der heutige Besuch des Papstes im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. Im Unterschied zu seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. will er dort jedoch keine Rede halten. Statt dessen sollen Schweigen, Gebet und Mitgefühl im Vordergrund stehen, hatte der Vatikan angekündigt. Die einzigen Worte, die vom Papstbesuch in Auschwitz bleiben sollen, will Franziskus in das Gästebuch der Gedenkstätte schreiben.

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