Obama bricht ein Tabu und wirft Republikanern Rassismus vor

Bisher schwieg das offizielle Washington, doch nun spricht US-Präsident Barack Obama Klartext: Manchem passe seine Hautfarbe nicht und behindere ihn deshalb. Angesprochen sind die Republikaner.

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Sagt laut, was andere nur denken: Präsident Obama beklagt schwelenden Rassismus in den USA.  Foto: 

Lange Zeit wagte in den USA niemand, offen auszusprechen, was Politiker in Washington längst wissen: Dass US-Präsident Barack Obama auf keinen grünen Zweig kommt und im Kongress mit jedem Gesetzesvorhaben auf unüberwindlichen Widerstand stößt, liegt nicht allein an seiner sozialliberalen Ausrichtung. Es hat auch etwas mit seiner Hautfarbe zu tun. Das hat Obama nun eingeräumt, und damit ist das Thema "schwelender Rassismus" in den USA wieder auf der Tagesordnung.

Kein anderer der 44 Präsidenten der US-Geschichte hatte vergleichbare Hürden zu nehmen. Ob er die Einwanderungsgesetze reformieren will, durch eine Steuerreform Ärmeren eine Chance geben und gleichzeitig die Staatsverschuldung abzubauen versucht oder mit neuen Umweltgesetzen die Folgen des Klimawandels bekämpft: Was auch immer Obama im Kongress vorbringt, ist praktisch zum Scheitern verurteilt. Selbst die Gesundheitsreform, die nach langem Kampf in deutlich verwässerter Form verabschiedet wurde, versuchten die Republikaner durch Berufungen bis zum Obersten Gerichtshof zu kippen.

"Es ist überhaupt keine Frage, dass bei diesem unsachlichen und immens hartnäckigen Widerstand rassistische Motive eine zentrale Rolle spielen", sagte der legendäre Schauspieler Robert Redford. Ähnlich haben sich andere Größen aus dem Film- und Showgeschäft, Vertreter der Bürgerrechtsbewegung und auch Sportler geäußert. Bedeckt hielt man sich aber bis zuletzt im offiziellen Washington. Nun aber ist das Tabu gebrochen, durch keinen geringeren als den Präsidenten selbst: "Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass einige Menschen mich einfach deswegen nicht mögen, weil ihnen der Gedanke an einen schwarzen Präsidenten überhaupt nicht gefällt."

Republikaner, die sich persönlich angesprochen fühlten, wollten von den Anschuldigungen nichts wissen. "Unsere Positionen und Handlungen haben nichts mit Herkunft, sondern mit Politik zu tun", wetterte Oppositionschef John Boehner. Einige Parteikollegen zogen es vor, sich in Schweigen zu hüllen. Schließlich hatten sie die "Birther- Bewegung" unterstützt, mit der rechtsgerichtete Kreise 2012 versucht hatten, Obamas Staatsbürgerschaft und somit seine Legitimität als Präsident in Frage zu stellen.

Während andere Oppositionsmitglieder meinen, dass Obama unterschwelligen Rassismus als Vorwand benutze, um von seinen politischen Versäumnissen abzulenken, weisen andere auf unbestreitbare Fakten hin. Neben dem Hinweis auf die "Birthers" erinnern sie daran, dass nach Obamas Wiederwahl vorletztes Jahr an der Universität von Mississippi und anderen Institutionen Studenten mit beleidigenden und rassistischen Eintragungen in sozialen Medien reagierten. Nur etwas milder fielen damals die Äußerungen mehrerer Südstaatenpolitiker aus, die unzweideutig von Obamas angeblich "mangelnder Eignung fürs Amt" sprachen.

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