Nordkorea testet Rakete

Das Regime in Pjöngjang macht seine Drohung wahr und schießt eine Langstreckenrakete ins All. Damit kommt es dem Ziel näher, eine Nuklearmacht zu werden. Die Weltgemeinschaft protestiert. Mit einem Kommentar von Felix Lee: Weitverbreite Ohnmacht.

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Am Sonntagmorgen hat das nordkoreanische Militär an der Westküste des Landes eine Langstreckenrakete abgeschossen. Gegen Mittag Ortszeit verkündete der nordkoreanische Staatssender, dass die Rakete erfolgreich einen Satelliten in den Orbit gebracht habe.

Die Protestnoten aus Südkorea, Japan und den USA ließen nicht lange auf sich warten. Die Regierung im südkoreanischen Seoul sprach von einer "schweren Provokation", die nicht toleriert werden könne. Für Japans Ministerpräsident Shinzo Abe stelle der Raketenabschuss eine ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens dar. Und US-Außenminister John Kerry kündigte an, sich für "ernsthafte Konsequenzen" einzusetzen, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen.

Selbst Chinas Führung, offiziell der noch einzig verbliebene Verbündete des Regimes in Pjöngjang, schloss sich der Kritik an - wenn auch wie gewohnt deutlich moderater. Peking bedauere den Raketenabschuss. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den neuen Raktenstart am Sonntagabend scharf. Das Gremium bereite nun eine weitere Resolution gegen das Land vor, kündigte der amtierende Vorsitzende Rafael Ramirez aus Venezuela an.

Die Internationale Weltgemeinschaft vermutet, dass Nordkorea mit dem Abschuss einer Langstreckenrakete testet, wie weit ihr ballistisches Potenzial inzwischen reicht.

Ersten Einschätzungen chinesischer Militärexperten zufolge handelt es sich bei der Rakete um ein ähnliches Modell, wie es das Regime im Dezember 2012 schon einmal erfolgreich ins All befördert hat. Der Raketentyp damals habe eine Reichweite von rund 8000 Kilometer gehabt, der jetzige könne zwischen 1000 und 2000 Kilometer weiter reichen.

Damit ist Nordkorea im Stande, weite Teile Europas, Australiens, Kanadas und selbst die amerikanische Westküste zu treffen. Der UN-Sicherheitsrat hatte deswegen bereits 2006 Resolutionen verabschiedet, die dem Regime verbieten, an einem solchen Programm zu arbeiten.

Die Führung in Pjöngjang selbst behauptet, die Rakete vom Sonntag habe lediglich einen Satelliten zu Wissenschaftszwecken ins All befördert. Nordkorea übe sein "legitimes Recht auf die Weltraumforschung zu friedlichen Zwecken aus". Dies klingt jedoch auch deswegen nicht glaubwürdig, da Pjöngjang am 6. Januar abermals unterirdisch eine Atombombe zündete. Sollte es dem Regime gelingen, seine Langstreckenraketen auch atomar zu bestücken, würde Nordkorea den Status einer Nuklearmacht genießen - formal auf gleicher Höhe mit China, Russland und den USA.

Südkorea will reagieren

Gegenreaktion Nach dem nordkoreanischen Raketentest will Südkorea mit den USA über die Aufstellung von Abfangraketen des Typs THAAD verhandeln.

THAAD steht für "Terminal High Altitude Area Defense". Die 6,17 Meter langen Raketen sollen ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen. Sie tragen keinen Sprengkopf, sondern zerstören die Rakete durch direkten Aufprall. Dies kann innerhalb wie oberhalb der Erdatmosphäre bis in 150 Kilometer Höhe geschehen.

THAAD-Raketen werden von Lastwagen aus abgefeuert und sind daher sehr mobil. Zu einer THAAD-Batterie gehören neun Raketenwerfer auf Lkw mit jeweils acht Abfangraketen. Dazu kommen ein mobiles Radarsystem und eine mobile Feuerleitstelle.

Kommentar von Felix Lee: Weitverbreite Ohnmacht

Schon wieder Nordkorea. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr gelingt es dem Regime des herabgewirtschafteten Arbeiterstaats die Welt in Atem zu halten. Am Sonntag hat Nordkorea eine Langstreckenrakete mit einem Satelliten ins All geschossen. Dieses Mal offensichtlich mit Erfolg.

Die Aufregung ist berechtigt. Das Regime in Pjöngjang demonstriert, dass es technisch imstande ist, nicht nur seine Nachbarn, sondern auch die USA und das ferne Europa zu beschießen.

Und was fast ebenso erschreckend ist: Die internationale Staatengemeinschaft hat dem nur noch wenig entgegenzusetzen. Vielmehr gleicht ihr Vorgehen längst einem Ritual: Südkorea, Japan und die USA regen sich lautstark auf, der UN-Sicherheitsrat kommt zu Sondersitzungen zusammen, die Sanktionen werden verschärft. Das Regime in Pjöngjang schert sich dennoch einen Dreck. Umso lauter sind nun aus den USA die Stimmen, den Druck auf China zu erhöhen. Die chinesische Regierung solle gefälligst die Sanktionen konsequent umsetzen und jeglichen Handel stoppen.

Politisch lässt sich Pjöngjang von seinem einstigen Bruderstaat schon seit einiger Zeit nichts mehr sagen. Zwischen beiden Seiten herrscht Eiszeit. Nach Pjöngjangs zweiten Atomtest 2013 hatte China die wirtschaftliche Zusammenarbeit gestoppt. Doch das schadete vor allem Nordkoreas Bevölkerung. Das Regime hingegen konnte sein Atom- und Raketenprogramm unbeirrt fortsetzen. Völlig zu Recht ließ China deshalb den Handel wieder zu. Die bittere Wahrheit: Auch Peking ist gegenüber Pjöngjang machtlos. Das macht die Lage so bedrohlich.

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