Noch 100 000 Lehrstellen frei

"Lehrling gesucht", heißt es vielerorts. Nach Jahren des Ausbildungsplatz-Mangels werden jetzt Bewerber rar. Der DGB warnt vor "falscher Euphorie".

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Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres haben die Arbeitsagenturen bundesweit noch immer 101 100 unbesetzte Lehrstellen im Angebot. Das sind fast elf Prozent mehr als vor einem Jahr, meldet die Bundesagentur für Arbeit. Das neue Ausbildungsjahr beginnt am 1. September.

Zugleich gibt es aber noch immer 90 860 unversorgte Bewerber (plus 3,5 Prozent). Weitere 56 000 Jugendliche ohne Lehrstellen konnten alternativ in Schulen oder Weiterbildung untergebracht werden (plus 6 Prozent). Sie hielten aber gegenüber den Arbeitsagenturen ihren Vermittlungswunsch in eine Lehrstelle aufrecht.

"Der positive Trend auf dem Ausbildungsstellenmarkt setzt sich fort", schreibt die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Monatsbericht. Gleichwohl gebe es je nach Region, Berufswunsch und Qualifikation Unterschiede.

In Baden-Württemberg sind im Moment noch 16 479 Lehrstellen unbesetzt. Allein im Bereich der Handwerkskammer Ulm gibt es freie Plätze für mehr als 1000 junge Menschen. Auch die bayerische Metall- und Elektroindustrie sucht händeringend nach Nachwuchskräften. Der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands, Bertram Brossardt, sagte, "dass bereits knapp jedes dritte Unternehmen seine angebotenen Lehrstellen nicht mehr vollständig besetzen kann" und fügte hinzu: "Wer gute Noten hat, wird einen Platz bei uns finden." Allerdings bereite der Mangel an geeigneten Bewerbern Sorge.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte vor "falscher Euphorie" angesichts der vielen freien Plätze. Zwar habe sich für viele Bewerber die Lage leicht entspannt, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Doch noch immer hätten 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren keinen Berufsabschluss und absolvierten auch keine Nachqualifizierung mehr. Knapp 300 000 Jugendliche befänden sich in Warteschleifen oder Ersatzmaßnahmen.

Die Bundesagentur gab gestern auch die Arbeitslosenzahlen bekannt. 2,905 Millionen Menschen waren im August bundesweit ohne Job - 29 000 mehr als im Juli. Die Quote lag unverändert bei 6,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr waren 40 000 Menschen weniger gemeldet. Im Südwesten stieg die Quote auf 4,1 Prozent.

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