Neustart für den Pflege-Tüv

Wenn Angehörige plötzlich einen Heimplatz brauchen, ist die Hilflosigkeit oft groß. Das Bewertungssystem heute taugt nichts. Der Ersatz lässt auf sich warten.

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„Nötig ist ein Neustart, keine Behelfslösung.“ Wenn es um das Bewerten von Pflege geht, verlangt nicht nur Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eine grundlegende Reform. Angehörige sollen so schnell und unkompliziert wie möglich ein gutes Heim oder eine ambulante Station für pflegebedürftige Familienmitglieder finden können. Der 2009 eingeführte Pflege-Tüv leistet das nicht, darin sind sich Politik, Verbraucherschützer und Heimbetreiber einig.

Die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh hat nun Bausteine für eine Reform vorgestellt. Sie fordert eine stärkere Orientierung an der Lebensqualität der Pflegebedürftigen und will, dass Heime und Pflegedienste nicht nur ihre gesundheitliche Pflegequalität dokumentieren, sondern auch Auskunft über die Ausstattung, die Zahl und Qualifizierung der Mitarbeiter sowie über Angebote zu Spiritualität, Selbstbestimmung und Mitwirkungsmöglichkeiten geben müssen.

Beim Bewerten der Heime und Pflegedienste prallen Interessen der Verbraucher, Politik, der Pflegeanbieter  und Pflegekassen aufeinander. Deshalb galten die 2009 eingeführten Noten als Fortschritt: Alle Einrichtungen werden vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft und bewertet.

Doch die Bilanz ist ernüchternd: „Es werden bewusst Schwachstellen vertuscht, damit keine Pflegeeinrichtung schlechter dasteht als andere“, kritisierte Karl-Josef Laumann, der frühere Pflegebeauftragte. Alle Heime erhielten im Bundesschnitt die Note 1,2 – für Kritiker ein Hohn. So kann ein guter Speiseplan schlechte Pflege ausgleichen.

Wegen Verzögerungen bei der Reform hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz Gröhe zum Einschreiten aufgefordert. Vorstand Eugen Brysch forderte den Minister auf, den Pflege-Tüv nicht allein den Kassen und Pflegeanbietern zu überlassen. Nötig sei ein unabhängiges Gremium. „Traumnoten am Fließband verschleiern Missstände und haben mit der Realität nichts zu tun“, sagte Brysch.

Seit einem Jahr arbeitet der vom Bund eingesetzte Pflege-Qualitätsausschuss bereits an einem neuen Verfahren zur Qualitäts­messung.

Neun von zehn Befragten  vermissen ausreichend öffentliche Informationen über Pflegeeinrichtungen, mehr als die Hälfte fürchtet, im Alter nicht das richtige Pflegeheim zu finden. Das ergab eine Umfrage, die die Bertelsmann-Stiftung vorstellte. Gefragt seien vor allem Angaben zum Personaleinsatz, zur Qalität und zur Ausstattung der Heime. Fast zwei Drittel befürchteten, dass es zu wenig Heimpersonal gibt. Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid bundesweit rund 1000 Menschen über 18 Jahren. epd

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