Neuer Schlag gegen Neonazis

Im Fall der Zwickauer Terrorzelle NSU sitzt ein weiterer Verdächtiger in Untersuchungshaft. Ihm wird Beihilfe zu sechs Morden vorgeworfen.

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Beamte des Spezialkommandos GSG 9 haben in Düsseldorf einen weiteren mutmaßlichen Helfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU festgenommen. Der 31-Jährige soll den Terroristen eine Schusswaffe sowie Munition verschafft haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zu sechs Morden und einem Mordversuch vor. Damit befinden sich fünf Verdächtige aus dem NSU-Umfeld in Haft.

Der nun festgenommene Carsten S. soll im Jahr 2001 oder 2002 in Jena eine Waffe und Munition gekauft haben, die über Mittelsmänner zu den untergetauchten Terroristen gebracht wurden. Dabei habe er es "billigend in Kauf genommen", dass die Waffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Bislang ist allerdings ungeklärt, ob die Waffe tatsächlich bei den Morden des Terror-Trios zum Einsatz kam. Carsten S. wurde gestern Nachmittag dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt. Seine Wohnung in Düsseldorf wurde durchsucht.

Nach Erkenntnissen der Ermittler war S. 1999 und 2000 im rechtsextremistischen "Thüringer Heimatschutz" aktiv. Nach Verfassungsschutz-Informationen wurde er im Juli 2000 zum stellvertretenden Vorsitzenden der Jungen Nationaldemokraten Thüringens gewählt. Später scheint sich S. aus der Szene verabschiedet zu haben. Er studierte Sozialpädagogik und arbeitete in einer Einrichtung für Homosexuelle. Vergangene Woche wandte er sich über seinen Anwalt an die Presse: Er sei im Jahre 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen.

Die Bundesanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass S. bis 2003 Kontakte in rechtsradikale Kreise unterhalten habe. "Er stand in enger Verbindung zu den drei im Jahr 1998 abgetauchten Mitgliedern des NSU", so die Ermittler. Zeitweilig soll er der einzige aus dem rechtsextremistischen Umfeld gewesen sein, der noch unmittelbaren Kontakt zu den drei Untergetauchten hielt. Er soll ihnen auch mit Geld ausgeholfen haben.

Die Neonazi-Zelle soll zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordet haben. Außerdem werden der Gruppe zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt.

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