Neue Regeln für Inklusion

Die lang erwarteten Eckpunkte der Landesregierung zur Inklusion liegen vor. Eltern behinderter Kinder erhalten ein eingeschränktes Recht auf Schulwahl.

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"Es soll zur Normalität werden, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden", kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann gestern die Novellierung des Schulgesetzes vor. Sie tritt im Herbst 2015 in Kraft und lässt den Eltern eine grundsätzliche Wahl, ob sie ein behindertes Kind in der Regel- oder auf eine Sonderschule schicken. Weder aus organisatorischen noch aus pädagogischen Gründen ist aber die Auswahl einer einzelnen Wunschschule möglich. Sollte es darüber zum Streit kommen, hat die Schulverwaltung das letzte Wort.

Warum? Das Land muss behutsam mit den Ressourcen umgehen. Auch wenn Kultusminister Andreas Stoch (SPD) grundsätzlich alle Schulen für die Inklusion öffnen will, werden behinderte Kinder zunächst in Gruppen zusammengefasst auf ausgewählte Regelschulen gehen. Um die hohe Qualität des Sonderschulunterrichts auch an den Regelschulen zu gewährleisten, sollen dort beim gemeinsamen Unterricht für behinderte und nicht behinderte Kinder immer zwei Lehrer, davon ein Sonderschullehrer, unterrichten. "Alles andere bringt wenig, nur so ist eine hohe Qualität gewährleistet." Doch das Personal ist knapp: Rund 400 Sonderschullehrer verlassen jährlich die Hochschulen, allein die Hälfte davon wird benötigt, um altershalber ausscheidende Pädagogen zu ersetzen. Für den Anfang stehen also pro Schulbezirk höchstens zehn neue Sonderschullehrer für die Inklusion bereit, mehr gibt der Arbeitsmarkt nicht her. Inklusion wird deshalb auch zum Thema in der Lehreraus- und -fortbildung.

Offen ist nach wie vor die Frage nach den Kosten. "Wir wissen nicht, wie die Eltern mit dem Wahlrecht umgehen", so Stoch.

Die Landkreise fordern, die Richtlinien für die Schulbauförderung zu ändern. Die notwendigen Umbauten für behinderte Schüler könnten die Kreise allein nicht schultern, warnte Verbandspräsident Joachim Walter.

Die GEW als größte Lehrergewerkschaft im Land begrüßt das Grundkonzept und fordert erwartungsgemäß neue Stellen und mehr Geld: Es wäre ein Armutszeugnis für das reiche Baden-Württemberg, "wenn Inklusion schon am Bau einer Rampe scheitert", sagte die GEW-Landeschefin Doro Moritz.

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