Neonazis machen mobil

In Griechenland häufen sich die Fälle politisch und rassistisch motivierter Gewalt. Eine neonazistische Partei lässt Schlägertrupps aufmarschieren. Premier Samaras warnt bereits vor "Weimarer Verhältnissen" .

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Merkmal griechischer Neonazis: Ein mit der Nationalflagge umwickelter Holzknüppel. Foto: dpa

Griechische Polizisten machen derzeit Bekanntschaft mit völlig neuen Kontrahenten. Diese Gegner treten im Gleichschritt an, mit militärischer Disziplin. Sie tragen schwarze Armeestiefel, Hosen in Tarnfarben, schwarze T-Shirts und Motorradhelme. Viele haben auch kugelsichere Westen angelegt und armdicke Holzknüppel, um die weißblaue Griechenflaggen gewickelt sind. So gibt man Schlagwaffen als Fahnenstangen aus.

"Chrysi Avgi" steht auf ihren T-Shirts, "Goldene Morgenröte". So heißt Griechenlands rechtsextremistische Partei. Einige Dutzend Kämpfer der Partei lieferten sich vergangene Woche in der Hafenstadt Korinth Prügeleien mit der Polizei. Die Rechtsradikalen protestierten gegen die Unterbringung 300 illegaler Migranten in der Stadt.

Die Chrysi Avgi schürt den Fremdenhass, propagiert rassistisches Gedankengut und schmückt sich mit Symbolen, die an das Hakenkreuz der Nazis erinnern. In der illegalen Einwanderung hat sie ihr Thema gefunden. Seit einigen Jahren wird Griechenland von Armutsflüchtlingen aus Nahost, Asien und Afrika überlaufen. Auf eine Million wird ihre Zahl mittlerweile geschätzt. In der Krise, die immer mehr Griechen um ihre Existenz bringt, wächst die Intoleranz. Bei den Wahlen vom Juni kam die Chrysi Avgi auf knapp sieben Prozent der Wählerstimmen. Mit 18 Abgeordneten sitzt sie nun im griechischen Parlament.

Jetzt beginnt die Partei offenbar damit, Schlägertrupps aufzustellen. Vorbild scheint die SA zu sein, die paramilitärische Kampforganisation der Nazis. Nikos Dendias, der Minister für Bürgerschutz, ist alarmiert: "Sturmbrigaden, die mit nationalen Symbolen hausieren gehen, werden wir nicht dulden", kündigte Dendias im Parlament an.

Immer häufiger gibt es Übergriffe gegen Ausländer. Erst am Samstag schockte ein brutaler Übergriff auf einen Migranten die Menschen Nea Manolada auf dem Peloponnes. Zwei Männer klemmten den Kopf eines jungen Ägypters in einem Seitenfenster ihres Wagens ein und schleiften den Mann fast einen Kilometer durch die Straßen.

Nicht nur Neonazis profitieren von der Krise. Auch linksradikale Parteien haben Zulauf. Die Massenarbeitslosigkeit und die massiven Rentenkürzungen gefährden die politische Stabilität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes. Die stalinistische KP ruft offen zum Umsturz auf. Als sich im Frühjahr vermummte Chaoten aus der Anarchistenszene und kommunistische Schlägertrupps Straßenschlachten lieferten, sah die Polizei untätig zu. Wenn bei den Massendemonstrationen gegen das neue Sparprogramm, die für den Herbst erwartet werden, auch noch die Neonazi-Brigaden aufmarschieren, könnten bürgerkriegsähnliche Szenen drohen. Sollte Griechenland gar zur Drachme zurückkehren, fürchtet Ministerpräsident Antonis Samaras "eine nie dagewesene Krise der Demokratie". Er warnt vor "Weimarer Verhältnissen".

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