Narren im Krieg

Am Samstag war in Steinkirchen im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen die Welt noch in Ordnung.

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Zug mit Panzer.  Foto: 

"Wir freuen uns auf einen schönen und friedlichen Faschingszug 2016!", warb der Oberilmtaler Carneval Verein (OCV) auf Facebook für seinen alljährlichen "Gaudiwurm" - Höhepunkt des närrischen Treibens in der beschaulichen Gegend.

Als sich der Wurm dann am Sonntag von Reichertshausen durch das Obere Ilmtal nach Steinkirchen schlängelte, war die Botschaft jedoch alles andere als friedlich. Und das nicht nur, weil punkt 13 Uhr Böllerschützen den Startschuss gaben. Der letzte Motivwagen war als Wehrmachtpanzer gestaltet - mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr" und "Asylpaket III". Obenauf im Geschützstand: Drei junge Männer in Bundeswehr-Outfit und zwei Frauen. Es folgte nicht nur ein Shitstorm aus allen Richtungen der Republik, nachdem der SPD-Lokalpolitiker und Schauspieler Florian Simbeck ("Erkan und Stefan") empört Fotos des Panzers gepostet hatte. Auch die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ist inzwischen eingeschaltet. Sie hat nach Auskunft eines Sprechers gegen mehrere Verantwortliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet.

Es ist nicht der einzige Karnevalswagen mit offenkundig rassistischer Hetzbotschaft. Auch im thüringischen Wasungen besteht ein Anfangsverdacht auf Volksverhetzung. Dort geht es um einen Motivwagen in Gestalt einer Lokomotive mit der Aufschrift "Balkan-Express" und "Die Plage kommt". Bereits an Fasching 2015 war in der NPD-Hochburg Reinhardtsdorf-Schöna in Sachsen eine "Rollende Asylantenherberge" aufgefallen.

Beim OCV, dem Oberilmtaler Carneval Verein, tagte am Montag das Scherbengericht. Zugleiter Konrad Moll brachte schon mal im BR sein Bedauern zum Ausdruck: Der OCV sei für alle Nationen offen. Um 20 Uhr sollte der Rosenmontagsball steigen - offiziell im Gasthaus Sammer in Steinkirchen. Dabei heißt das inzwischen "Imeros" und wird von einem Griechen betrieben.

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