Nach Trump-Sieg: Wachsende Ängste unter Amerikas Muslimen

„Ich habe solche Angst um meine Eltern“, sagt die junge Frau, eine Amerikanerin mit syrischen Wurzeln. Sie lebt in einem Bundesstaat im mittleren Westen, der bei den Wahlen am Dienstag für Donald Trump gestimmt hat.

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Polizisten und Demonstranten während eines Anti-Trump-Protests in New York. Foto: Kevin Hagen

„Ich habe solche Angst um meine Eltern“, sagt die junge Frau, eine Amerikanerin mit syrischen Wurzeln. Sie lebt in einem Bundesstaat im mittleren Westen, der bei den Wahlen am Dienstag für Donald Trump gestimmt hat.

„Mein Vater kann nicht wieder zum Flüchtling werden. Wenn wir von hier wieder wegziehen, würde ihn das umbringen“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Wie andere Muslime befürchtet sie, dass es in Zukunft zu vermehrter Gewalt gegen Einwanderer kommen könnte. Freunde hätten vorgeschlagen, dass muslimische Frauen ihre religiösen Kopfbedeckungen abnehmen sollten, damit man sie auf der Straße nicht als Musliminnen erkennen könnte.

Auch in sozialen Medien berichten muslimische Frauen davon: Ihre Mutter habe angerufen und sie angefleht, den Hidschab abzunehmen, schrieb eine Userin auf Twitter. Nicht-Muslime boten muslimischen Freunden an, sie nach Hause zu begleiten, wenn sie Angst hätten.

Diese Sorgen gründen sich unter anderem auf Aussagen Trumps. Im vergangenen Dezember hatte der damalige Präsidentschaftsbewerber ein totales Einreiseverbot für Muslime gefordert. Liberale US-Bürger, aber auch Republikaner, reagierten empört. Im Juli schwächte Trump seine Forderungen ab: Die Regierung müsse umgehend die Einwanderung aus Ländern stoppen, die von Terrorismus betroffen seien, sagte er. Diese Beschränkungen sollen seiner Ansicht nach bestehen bleiben, bis tiefgreifende Prüfungsmechanismen für potenzielle Einwanderer eingeführt sind.

Unterstützer des Republikaners argumentierten damals, es gehe um die Herkunftsländer der Menschen und nicht um deren Religion. Wenige Wochen später heizte Trumps Sohn Donald Jr. die Debatte mit einem umstrittenen Tweet wieder an. Er postete ein Bild von einer Schale mit bunten Bonbons und der Frage, ob die Menschen auch zugreifen würden, wenn sie wüssten, dass drei der Bonbons tödlich seien. „Das ist unser Problem mit syrischen Flüchtlingen“, schrieb der 38-Jährige weiter.

Mit dem Wahlergebnis befassen sich nun auch Nahost-Experten. Eine Frage ist zum Beispiel, wer in der kommenden Regierung Einfluss haben wird. Pragmatiker oder extreme Stimmen wie etwa der frühere Chef des rassistischen Ku-Klux-Klan, David Duke, der Trump zum Wahlsieg gratulierte.

Die Wahl hat aus Sicht des Islam-Experten Shadi Hamid von der US-Denkfabrik „Brookings Institution“ weitreichende Auswirkungen. „Für viele von uns war das nicht nur normale Politik. Es ging um die Sicherheit unserer Familien und Gemeinden. Deswegen ist es so beängstigend“, schreibt er auf Twitter. Er mache sich Sorgen um seine Eltern. „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich über Politik geweint.“

Bericht NBC zu Trumps Forderung nach Überprüfung von Einwanderern

Tweet Donald Trump Jr, gelöschtes Bild

Shadi Hamid auf Twitter

Tweets zu muslimischen Kopfbedeckungen

Tweet Mashable

Gratulation David Duke

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Kommentare

13.11.2016 10:28 Uhr

die Bonbons

Ein interessanter Vergleich, mit den Bonbons. Er passt zu dem was nicht nur die Bevölkerung in den USA sondern auch die in Europa gemeinhin denkt, teilweise auch sich auszusprechen traut. Man kann warten bis entsprechende Parteien das Beispiel aufgreifen. Dabei wäre es so einfach gewesen, die Schale Bonbons nicht einfach auf den Tisch zu stellen mit der Ankündigung was serviert wird wird auch gegessen, sondern die Situation ernst zu nehmen, die Bonbons zu untersuchen und ggf. manche eben wieder vom Tisch zu nehmen.

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