Nach Streit mit Saudi-Prinzessin ausgepeitscht

Aus Sicht der Bundesregierung ist Saudi-Arabien ein Pfeiler der Stabilität in einer Krisenregion. Menschenrechtler sehen einen Staat, in dem Willkür herrscht.

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Die Herrscherfamilie Al-Saud gibt in Saudi-Arabien nicht nur politisch den Ton an. Die zahlreichen Prinzen und Prinzessinnen spielen auch im Geschäftsleben des islamischen Königreichs eine wichtige Rolle. Wer sich mit ihnen anlegt, lebt gefährlich, wie der Fall der in der saudischen Hauptstadt Riad inhaftierten ägyptischen Event-Designerin Naglaa Wafa zeigt.

Die Frau wurde nach einer beruflichen Auseinandersetzung mit einer Prinzessin nicht nur zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sie wird auch immer wieder ausgepeitscht. Ihre in Ägypten lebenden Eltern hatten zunächst geschwiegen. Sie glaubten, sie könnten die Freilassung ihrer Tochter durch diskrete Bemühungen erwirken. Doch nachdem ägyptische Aktivisten über das Schicksal von Naglaa Wafa berichtet hatten, brach ihr Vater sein Schweigen.

Dem Nachrichtenportal "Ahram Online" sagte er, seine Tochter sei mit ihrem damaligen Ehemann und den Kindern vor sieben Jahren nach Riad gezogen. Dort begann sie eine Karriere als Hochzeitsplanerin. Sie gründete die Firma Al-Hanaya. Wie in Saudi-Arabien üblich, nahm sie eine Einheimische als Teilhaberin mit ins Boot. Mit der Prinzessin sei seine Tochter in Kontakt gekommen, als diese die Anteile der Teilhaberin übernommen habe. Die Prinzessin habe seiner Tochter einen Scheck in Höhe von zwei Millionen Rial (rund 424 000 Euro) übergeben, verbunden mit dem Auftrag, ein Restaurant zu eröffnen. Wegen des Projekts sei es zu Auseinandersetzungen mit der Entourage der Prinzessin gekommen.

Im September 2009 wurde Naglaa Wafa verhaftet. Die Vorwürfe blieben unklar. Eineinhalb Jahre saß sie in Untersuchungshaft. Der Prozess dauerte nach Angaben der Ägyptischen Organisation für Menschenrechte (EOHR) 13 Tage. Sie habe ohne Anwalt erscheinen müssen. Schließlich wurde sie zu fünf Jahren Haft und 500 Peitschenhieben verurteilt. 300 Peitschenhiebe seien ihr bereits verabreicht worden, berichtet der Vater.

Saudi-Arabische Menschenrechtler glauben, dass der Ägypterin nur ein Gnadenakt von König Abdullah helfen kann. Doch die Prinzessin, deren Namen Wafas Familie bisher nicht öffentlich genannt hat, gehört offenbar zum engsten Familienkreis des Königs.

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