Nach Pristermord: Muslime besuchen katholische Messen

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Auch in Italien besuchten Muslime katholische Messen, um an die Opfer zu erinnern. Insgesamt sollen sich etwa 15 000 Menschen beteiligt haben. Foto: Massimo Percossi

Nach dem islamistischen Mord an einem Priester in Frankreich haben Muslime aus Solidarität katholische Sonntagsmessen besucht. "Ich danke Ihnen im Namen aller Christen", sagte Erzbischof Dominique Lebrun zu den Gästen bei einer Messe in der Kathedrale von Rouen.

In Rouen kamen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP etwa 100 Muslime zu dem Gottesdienst. "Sie beweisen, dass Sie die Tod und Gewalt im Namen Gottes ablehnen", sagte Lebrun. Der muslimische Dachverband CFCM hatte aufgerufen, als Ausdruck des Mitgefühls in Kirchen zu gehen.

"Ich bin stolz, das zu tun", sagte Fatima dem Sender France Info beim Besuch der Basilika des Pariser Vororts Saint-Denis. "Ich möchte meinen Schmerz und meine Solidarität mit den Katholiken Frankreichs und einem ganzen Volk zeigen." Auch in anderen Städten kamen Muslime dem Aufruf nach.

In Saint-Étienne-du-Rouvray hatten zwei Islamisten am Dienstag Geiseln genommen und den 85 Jahre alten Priester Jacques Hamel ermordet. Die Polizei erschoss die Angreifer.

Die muslimische Gemeinschaft des Ortes will den Attentäter Adel Kermiche nicht in ihrem Ort beerdigen. "Wir werden den Islam nicht mit dieser Person beschmutzen", sagte der Verantwortliche der örtlichen Moschee, Mohammed Karabila. "Wir werden uns weder an der Totenwäsche noch an der Beisetzung beteiligen", zitierte AFP ihn am Freitag. Über eine mögliche Beerdigung müsste dem Bericht zufolge letztlich das Rathaus entscheiden. Der 19-jährige Kermiche hatte anders als sein Komplize in Saint-Étienne-du-Rouvray gelebt.

Auch in Italien besuchten heute Muslime katholische Messen, um an die Opfer zu erinnern. Insgesamt hätten sich etwa 15 000 Menschen beteiligt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Gemeinschaft der Arabischen Welt in Italien. "Wir wollen zeigen, dass die muslimische Welt den Terrorismus verurteilt und die christliche Welt grüßen mit unserem Slogan: Beten wir alle gemeinsam", sagte Präsident Foad Aodi.

In Frankreich wird unterdessen auch über eine Reform der islamischen Institutionen diskutiert. Um die 40 muslimische Persönlichkeiten riefen in der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" dazu auf, "gegen den radikalen Islamismus" zu handeln. Sie seien besorgt über die Machtlosigkeit der derzeitigen Organisation des Islams, heißt es in dem Text. Premierminister Manuel Valls sprach sich für einen neuen "Pakt mit dem Islam" aus und forderte ein massives Engagement der Muslime im Kampf gegen die Radikalisierung.

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