Münchner Sorgenkind

Bayerns Hauptstadt, Stadt der geschlossenen Museen: Auch die Pinakothek der Moderne macht wegen Baumängeln vorübergehend zu.

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Für kulturinteressierte Besucher, Einheimische und Schulklassen ist sie ein Höhepunkt: die von dem Stararchitekten Stephan Braunfels entworfene und vor knapp zehn Jahren eröffnete Pinakothek der Moderne. Doch das Gebäude mit seinen 21 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche war und ist vor allem ein Münchner Sorgenkind.

Die bisher größte Hiobsbotschaft wurde gestern verkündet. Wegen Baumängeln muss das Haus voraussichtlich sieben Monate lang geschlossen werden - von Februar bis September 2013. In der spektakulären Rotunde, durch die Tageslicht in den Hauptraum kommt, haben sich bedrohliche Risse gebildet. Schon im vergangenen November wurde das Museum deshalb nicht für die "Lange Nacht der Museen" geöffnet.

Wie kann das passieren bei einem solchen Prestigeprojekt, das noch nicht einmal ein Jahrzehnt alt ist? Die Debatte wird nun voll aufflammen, gestern musste Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) erst einmal die Nachricht der Schließung verdauen. 1,5 Millionen Euro sollen die Sanierung und die Errichtung eines provisorischen Ausweichquartiers kosten. Die "Schaustelle" nebenan werde im Container betrieben und vor allem "multimediale Bildwelten" zeigen.

Schon während der Bauzeit war es zu Streit gekommen. Braunfels und die Bauherren von Stadt und Land lagen im Dauerkrach. Braunfels klagte jahrelang wegen fehlender Honorare, ihm wurde die Bauleitung entzogen. Zur Einweihung war er nicht einmal anwesend.

2007 zeigten sich erste Risse, sie galten als ungefährlich. Das hat sich nun geändert. Schon vor Jahren hatte Braunfels jede Schuld von sich gewiesen und gesagt, dass er für die Bauausführung nicht zuständig war. Man habe ohne Dehnungsfugen gearbeitet, die Bauleitung sei aber für eine "rissresistente Konstruktion" verantwortlich gewesen. Vor allem aber hätten die Auftraggeber immer alles zu billig gewollt.

München wird nun zur Stadt der geschlossenen Museen. Das nicht weit entfernte Lenbachhaus hat vier Jahre lang bis 2013 wegen Sanierung die Pforten dicht gemacht. Ähnlich ergeht es der Neuen Pinakothek, die von 2014 an generalsaniert werden muss.

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