Merkel lehnt zweites TV-Duell ab

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Martin Schulz in der ZDF-Sendung „Klartext“.  Foto: 

In der ZDF-Sendung „Klartext“ hatte sich SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Überraschung für den Schluss aufgehoben. Weil im ersten TV-Duell mit der Bundeskanzlerin vieles von dem, was die Bürger bewegte nicht angesprochen worden sei, habe er Angela Merkel „einen Brief geschrieben und sie aufgefordert, ein nächstes Duell mit mir zu machen, damit all’ diese Punkte auch diskutiert werden können“.

Die Ablehnung kam prompt. Die CDU-Pressestelle teilte mit, es wäre „zu dem Thema alles gesagt“. Angela Merkel habe gern an einem TV-Duell teilgenommen. „Dieses Format hat sich bewährt. Und dabei belässt sie es.“

Am Rande eines Wahlkampfauftrittes zeigte sich Schulz empört darüber, dass sein Brief von der CDU-Zentrale beantwortet wurde und bekräftigte seine Bereitschaft zu einem zweiten Streitgespräch. „Ich stehe zur Verfügung“, so Schulz. „Ich erwarte schon, dass Frau Merkel sich dazu herablässt, Briefe, die ich an sie richte, selbst zu beantworten.“

Auch eine SPD-Wählerinitiative von namhaften Schauspielern, Künstlern und Wissenschaftlern hatte die Forderung des Kanzlerkandidaten unterstützt. Der Heidelberger Plakatkünstler Klaus Staeck, ehemaliger Präsident der Berliner Akademie der Künste, erklärte bei der Präsentation einer Liste von über 1000 Unterzeichnern eines Wahlaufrufs für Martin Schulz: „Wenn dieses Mal wirklich ein Duell stattgefunden hätte, wäre das gut gewesen.“ Den Aufruf haben etwa die Schauspieler Iris Berben, Walter Sittler, Günter Lamprecht und Natalia Wörner sowie der Theologe Friedrich Schorlemmer, der Sänger Sebastian Krumbiegel und der Schriftsteller Bernhard Schlink unterzeichnet.                    

Kommentar: Künstliche Aufregung um TV-Duell

Der Herausforderer Martin Schulz wollte, nein verlangte, ein zweites TV­-Duell mit der Kanzlerin. Das Argument: Es wären ja viele Themen beim ersten Aufeinandertreffen noch nicht besprochen worden. Was stimmt, aber nicht zwingend ein Nachfolgeduell erfordert. Schon deshalb nicht, weil kaum Hoffnung bestünde, eine Neuauflage würde weniger sterbenslangweilig als das Original. Es träten ja doch wieder die Vertreter einer bislang regierenden Koalition auf. Einer Koalition, in der es mehr Disharmonie zwischen CDU und CSU als zwischen CDU und SPD gab.

Zweitens ist laut Umfragen für die Wähler das Flüchtlingsthema eindeutig das wichtigste Thema im Wahlkampf. Darüber wurde ausführlich diskutiert und auch wieder vor allem Einmütigkeit erzielt. Ansonsten herrscht kein Mangel an Merkel-­ und Schulz-­Auftritten in den Medien. Es ist nicht zu erkennen, bei welcher Frage ein Duell belebend für den Wahlkampf sein könnte. Für Schulz ist es doch allemal besser, er kann auf dem einen oder anderen Gebiet un­widersprochen die Union angreifen. Bei einem Duell bekäme er wieder und wieder zu hören, dass man vier Jahre lang alles gemeinsam beschlossen habe.

Drittens ist natürlich zu verstehen, wenn angesichts der Mitleid erregenden Umfragewerte für die SPD deren Spitzenkandidat einen Coup landen will. Deshalb bittet er die Kanzlerin ja auch zum Fernseh­-Tanz. Sie sagt erwartungsgemäß Nein und steht als feige da. So war es ja wohl gedacht. Unglücklicherweise ist der Vorgang schon morgen wieder vergessen. Und wenn Martin Schulz dann in seinen eigenen Köcher schaut, wird er feststellen, dass der leer ist.

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