Mein Moment 2014: Viel Humor bei Chinas Arbeitern

Thomas Spanhel, Redakteur Regionales, erzählt von seinem persönlichen Moment 2014 in der südchinesische Provinz Guizhou.

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    Unvergesslich: Essen mit chinesischen Arbeitern. Foto: 
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    Thomas Spanhel, Redakteur Regionales
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Irrwitzig viele Wolkenkratzer, gigantische Brücken und Tunnel auch in abseits gelegenen Bergtälern: Für westliche Touristen sind die riesigen Bauprojekte in der chinesischen Provinz Schreckgespenster. Sie werden vor allem von niedrig bezahlten Wanderarbeitern geschaffen. Arme Menschen? Offenbar nur bedingt: Ein Moment reicht aus, um ihre unverwüstliche Lebensfreude kennenzulernen.

In der südchinesische Provinz Guizhou laufe ich in einem kleinen Dorf an einem großen fünfstöckigen Rohbau vorbei, traditionell eingerüstet mit langen Bambusstangen. Als ich die raffinierte Konstruktion fotografiere, winken mich vier Arbeiter bei der Mittagspause heftig zu sich heran: Ich soll mich setzen und mitessen. Die vier dünnen Männer schieben mir einen Holzschemel zu, laden gestenreich ein, mich an ihrer Mangold-Suppe zu bedienen. Ich will den Männern aber nichts wegessen. Sie reden munter auf mich ein, wollen mir dieses und jenes in dem kahlen Baustellen-Zimmer erklären, ich verstehe nichts und zucke resignierend mit den Schultern - worüber alle lachen. Um auch etwas zu bieten, ziehe ich den Fotoapparat heraus und mache Bilder von den Männern, dem Essen und zwei Frauen, die alles frisch kochen. Gleich darauf zeige ich ihnen die Bilder auf dem Display der Kamera. Auf einem Bild ist der Wortführer der Arbeiter wenig fotogen in Großaufnahme zu sehen, wie er sich Essen in den Mund schiebt: Der Mund ist seltsam aufgerissen, die rosa Zunge hängt heraus und die Zähne sehen auch nicht mehr ganz intakt aus. Mir ist das Foto peinlich. Der Arbeiter aber johlt vor Begeisterung über seine komische Erscheinung. Er drückt mich an sich, klopft mir auf die Schultern und holt mir Stäbchen und ein Schälchen, damit ich endlich von dem leckeren, scharf gewürzten Mangold-Gemüse esse. Die offenherzige Gastfreundschaft, der Humor garniert mit viel Selbstironie sind überwältigend.

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