Mehr Geld für Pflegende - Vor allem die häusliche Hilfe wird gestärkt

Ob Mindestlohn, Pflege oder Elterngeld: Zum Jahreswechsel treten besonders viele Änderungen in Kraft, die Arbeitnehmer, Familien und Rentner betreffen. Manches kostet mehr, manches weniger als bisher.

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Zuwendung und Pflege in vertrauter Umgebung: Für den Einsatz eines ambulanten Dienstes gibt es mehr Geld, ohne dass ein neuer Antrag gestellt werden muss.  Foto: 

Mindestlohn: Alle Arbeitnehmer haben vom 1. Januar 2015 an Anspruch auf mindestens 8,50 Euro Lohn pro Stunde. Dies gilt auch für Minijobber und Beschäftigte in Privathaushalten. Ausgenommen sind minderjährige Jugendliche, Auszubildende, Langzeitarbeitslose und ehrenamtlich Tätige sowie Praktikanten, wenn sie ein Pflichtpraktikum absolvieren oder maximal drei Monate arbeiten. Die Tarifpartner konnten für einzelne Branchen vereinbaren, dass bis Ende 2016 ein niedrigerer Mindestlohn gilt.

Saisonarbeiter, Erntehelfer oder Ferienjobber dürfen bis zu drei Monate oder 70 Tage im Jahr arbeiten. Bisher war das auf zwei Monate oder 50 Tage beschränkt. Während eines Aushilfsjobs dürfen Schüler, Studenten oder Gastarbeiter beliebig viel Geld verdienen, ohne dass Sozialbeiträge anfallen. Diese Regelung gilt zunächst bis 2018.

Krankenversicherung: Die gesetzlichen Krankenkassen können ihren Beitragssatz wieder weitgehend selbst festlegen. Er beträgt mindestens 14,6 Prozent vom Gehalt, wovon der Arbeitgeber beziehungsweise die Rentenversicherung die Hälfte trägt. Kommt eine Kasse mit diesen Einnahmen nicht aus, was der Regelfall sein wird, kann sie einen Zusatzbeitrag beschließen, der voll zu Lasten der Arbeitnehmer und Rentner geht. Er wird direkt vom Arbeitgeber oder der Rentenversicherung abgeführt. Im Schnitt sind es 0,9 Prozent, sodass der Gesamtbeitrag häufig unverändert 15,5 Prozent beträgt. Einige Kassen verlangen zunächst weniger. Versicherte können mit kurzer Frist zu einer anderen Kasse wechseln. Der bisherige Sonderbeitrag als Kopfpauschale wird abgeschafft.

Pflegeversicherung: Die erste Stufe der Pflegereform tritt in Kraft. Alle 2,6 Millionen Pflegebedürftigen erhalten bessere Leistungen - meist vier Prozent mehr. So erhöht sich das Pflegegeld für Angehörige in Pflegestufe eins von 235 auf 244 Euro, in Stufe zwei von 440 auf 458 und in Stufe drei von 700 auf 728 Euro. Auch für den Einsatz eines ambulanten Pflegedienstes gibt es mehr Geld, und zwar automatisch ohne neuen Antrag. Um Familien zu entlasten, werden die Möglichkeiten der Kurzzeitpflege im Heim und der kurzfristige Einsatz einer Pflegekraft ausgebaut. Zudem werden die "niederschwelligen Angebote" erweitert: Für zusätzliche Betreuung, etwa Hilfe im Haushalt, erhalten alle Pflegebedürftigen 104 Euro pro Monat.

Rentenversicherung: Die "Regelaltersgrenze", also das Alter für den regulären Rentenbeginn, steigt um einen Monat auf 65 Jahre und vier Monate. Wer auf mindestens 45 Beitragsjahre kommt, kann auch 2015 noch mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Wer 2015 erstmals Rente bezieht, muss auf 70 Prozent der Rente Steuern entrichten. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als in diesem Jahr. Ledige, die keine weiteren Einkünfte haben, müssen ab einer Jahresrente von mehr als etwa 14.000 Euro brutto damit rechnen, Einkommensteuer zu zahlen. Da Arbeitnehmer einen etwas größeren Teil ihrer Rentenbeiträge bei der Steuererklärung absetzen können, sinkt ihre Steuerbelastung leicht.

Sozialbeiträge: Der Beitrag zur Rentenversicherung sinkt von 18,9 auf 18,7 Prozent. Dagegen steigt er in der gesetzlichen Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 (Kinderlose 2,6) Prozent. Davon werden 0,1 Prozentpunkte für den Aufbau eines Vorsorgefonds genutzt, um den Beitragssatz von 2035 an zu stabilisieren. Ob und wie sich die Gesamtbelastung bei der Sozialversicherung für den Einzelnen ändert, hängt vom Beitragssatz der jeweiligen Krankenkasse ab.

Beitragsbemessung: Die Grenze, bis zu der Sozialbeiträge abgeführt werden müssen, steigt in der Renten- und Arbeitslosenversicherung im Westen um 100 auf 6050 Euro im Monat. In der Kranken- und Pflegeversicherung wird sie in ganz Deutschland um 75 Euro auf 4125 Euro erhöht. Die Versicherungspflichtgrenze, von der an Beschäftigte zur privaten Krankenversicherung wechseln können, klettert um 1350 auf 54 900 Euro im Jahr.

Elektronische Gesundheitskarte: Die bisherige Krankenversichertenkarte verliert, unabhängig vom aufgedruckten Datum, ihre Gültigkeit. Als Berechtigungsnachweis für Leistungen gilt von 1. Januar 2015 an nur noch die elektronische Gesundheitskarte.

Familienpflegezeit: Arbeitnehmer, die kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisieren müssen, haben nicht nur Anspruch auf bis zu zehn freie Tage. Sie bekommen auch von der Pflegeversicherung zum Ausgleich etwa 90 Prozent ihres Nettolohns.

Elterngeld plus: Steigen Eltern nach der Geburt ihres Kindes nicht ganz aus dem Beruf aus, sondern arbeiten weiter in Teilzeit, bekommen sie doppelt so lange Elterngeld, allerdings nur den halben Betrag. Die Förderung verlängert sich von maximal 14 auf 28 Monate, wenn auch der Vater die Möglichkeiten nutzt. Hinzu kommt ein Partnerschaftsbonus: Teilen sich Mutter und Vater die Betreuung ihres Kindes und arbeiten sie parallel für mindestens vier Monate 25 bis 30 Stunden pro Woche, gibt es das Elterngeld plus für vier zusätzliche Monate.

Arbeitslosengeld II: Für Hartz-IV-Empfänger steigt der Regelsatz. Alleinstehende und Alleinerziehende erhalten monatlich 399 Euro (plus 8 Euro), Ehepaare 360 Euro (plus 7 Euro). Für Kinder wird er je nach Alter um 5 bis 6 Euro auf 234 bis 302 Euro erhöht. Bezahlt werden auch jeweils Miete und Heizung.

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