Mehr Asylbewerber, aber kein Chaos

Zahlreiche Konflikte weltweit lassen die Zahl der Asylbewerber in Baden-Württemberg steigen. Der Flüchtlingsrat warnt vor Dramatisierung.

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Seit Jahresbeginn haben in Baden-Württemberg 3842 Menschen Asyl beantragt. Das sind etwa 450 mehr als im selben Zeitraum 2011. "Die Landesaufnahmeeinrichtung in Karlsruhe hat im August einen im Vergleich zu den Vormonaten nochmals spürbar gestiegenen Zugang verkraften müssen", teilte das Stuttgarter Integrationsministerium der SÜDWEST PRESSE auf Anfrage mit. Die Lage sei "sehr angespannt", Ausweichunterkünfte im Stadtgebiet müssten angemietet werden. Das Ministerium ist trotzdem "zuversichtlich, dass in Kooperation zwischen Land und Kreisen eine geordnete Unterbringung der Asylbewerber sichergestellt werden kann".

Am Dienstag hatte die "Westfälische Rundschau" gemeldet, die Asylunterkünfte in Nordrhein-Westfalen seien hoffnungslos überfüllt. 30 Antragsteller hätten stundenlang vor den verschlossenen Toren der Aufnahmestation in Dortmund gewartet. Im Südwesten kann von Chaos dagegen keine Rede sein.

"Ich halte die Situation nicht für dramatisch", sagt Andreas Linder vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg. "Es sind immer noch ein paar Zimmer frei, die Unterkünfte sind nicht total vollgestopft." Eine "neue Flüchtlingswelle" gebe es nicht: "Das trifft zahlenmäßig einfach nicht zu."

Tatsächlich lag die Zahl der Asylbewerber in Deutschland zu Beginn der 1990er Jahre um ein Vielfaches höher als im Moment. "Die Verwaltung kann mit den heutigen Zahlen gut umgehen", sagt Linder. In den letzten Jahren sind aber immer mehr Unterkünfte geschlossen worden. Hier liegt für Linder das Problem: "Viele Landkreise reagieren etwas lahm auf etwas gestiegene Bewerberzahlen." Die Menschen würden oft zu langsam von der Aufnahmestelle auf die Kreise verteilt.

Um die Situation zu entspannen, hat das Integrationsministerium eine Verordnung erlassen, die seit August gilt. Diese beinhaltet beispielsweise, dass Asylbewerber früher als bisher aus Gemeinschaftsunterkünften in angemietete Wohnungen entlassen werden können. Linder hält das für einen richtigen Schritt: "Wir plädieren dafür, dass man große Gemeinschaftsunterkünfte abbaut und so die Art der Unterbringung humanisiert." Auf Basis der "relativ niedrigen Zugänge" sei dies möglich.

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