Marktschreier außer Dienst

Von Freitag an senden alle Fernsehsender in gleicher Lautstärke. Auch soll Werbung dann nicht mehr lärmen wie bisher.

|

Ein Schrei. Ein Mord? Nein, das allsonntägliche Meucheln musste noch ein paar Sekunden warten. Einstweilen schrie der Bier-Mann und wünschte gute Unterhaltung beim "Tatort". So war das bisher.

Die moderne Version der Marktschreier tummelte sich in der Fernsehwerbung. Da half es nichts, wenn der Zuschauer versicherte: "Mir kaufet nix". Die Werber brüllten einfach weiter. Einziges Gegenmittel: die Fernbedienung, die man gleich in der Hand behielt, um später die vergleichsweise flüsternden Filmdarsteller verstehen zu können.

Damit ist es bald zu Ende, denn "der eine oder andere Endverbraucher hat sich beklagt", wie eine ARD-Sprecherin sagt. Man könnte auch sagen: Den Zuschauern ging das trommelfellzersetzende Produkttrommeln tierisch auf die Nerven. Die Sender reagieren, indem sie pünktlich zum Start der Internationalen Funkausstellung in Berlin von Freitag an in einheitlicher Lautstärke senden.

Das heißt: Lautstärkesprünge zwischen den Programmbeiträgen eines Senders - also zum Beispiel zwischen Werbung und Film - sowie zwischen den verschiedenen TV-Sendern, sollen "deutlich verringert werden", wie es in einer gemeinsamen Mitteilung von Öffentlich-Rechtlichen und Privaten heißt.

Die Neuerung geht auf eine Empfehlung der Europäischen Rundfunkunion zurück, neue Messgeräte werden eingesetzt. Bisher richtete sich die Lautstärkeregelung nach dem lautesten Punkt des Stücks. Durch Verdichtung von Signalen konnte die empfundene Lautstärke weiter erhöht werden - damit auch jeder die Werbebotschaft hörte. Jetzt ist ein durchschnittlicher "Lautheitswert" entscheidend.

Technisch ist das kompliziert, die Auswirkungen aber sind denkbar einfach: Man entscheidet selbst, wie intensiv man beschallt wird - von dramaturgischen Effekten abgesehen. "Das Tatort-Opfer wird immer noch laut schreien", heißt es aus der ARD. Gleiches gilt für ein Werbe-Kind, das sich ein Knie aufschlägt. "Aua" geht nicht leise, Bier anpreisen schon. Das kann Folgen haben: Wer beim "Tatort" wegdöst, wird nicht mehr vom Bier-Mann geweckt. Günther Jauch darfs freuen. Schlafende schalten nicht um.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zwölf Namen für die neuen Ulmer Straßenbahnwagen

Die neuen Straßenbahnwagen der Linie 2 werden nach Männern und Frauen benannt, die mit Ulm in Verbindung stehen. So war es auch schon beim Combino. weiter lesen