Mali: Islamisten zerstören weitere Welterbe-Stätten

Islamistische Rebellen haben gestern in Timbuktu die Zerstörung jahrhundertealter Gebäude fortgesetzt. Derweil sind Tausende Malier auf der Flucht.

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Mitglieder der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine haben nach Angaben von Augenzeugen begonnen, Gräber der Djingareyber-Moschee, der größten Moschee der Stadt, einzureißen. Mit Hacken und Meißeln zerstörten sie die Gräber, Schaulustige wurden mit Schüssen in die Luft vertrieben.

Die in der Region des nördlichen Mali herrschenden Islamisten hatten bereits Ende Juni sieben der 16 Mausoleen in Timbuktu eingerissen und angekündigt, auch die weiteren Grabmäler "ohne Ausnahme" zu zerstören.

Die Heiligengräber und großen Moscheen Timbuktus zählen seit 1988 zum Weltkulturerbe. Sie stammen aus der Blütezeit der Stadt zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, als Timbuktu ein wichtiger Knotenpunkt der Karawanenstraßen und ein Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit war.

Nach Ansicht der Islamisten verstößt die Verehrung der Heiligen gegen den Islam, der den Gläubigen geböte, allein Allah zu verehren. Im Glauben der Bevölkerung hingegen spielen die Heiligen eine wichtige Rolle als Beschützer der Stadt.

Seit einem halben Jahr wüten in Mali Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen. Im März nutzten die Tuareg das Machtvakuum nach einem Militärputsch gegen die Regierung in der Hauptstadt Bamako und brachten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle. Timbuktu eroberten sie gemeinsam mit den Islamisten von Ansar Dine und wurden später von ihnen vertrieben. Nun tobt in der Region ein Kampf zwischen weltlichen Tuareg und islamistischen Gruppen, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbunden sind.

Seit Januar sind rund 365 000 Menschen vor der Gewalt in Mali geflohen. Das teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen gestern in Genf mit. Etwa 205 000 Malier hätten sich in den Nachbarländern Mauretanien, Burkina Faso und Niger in Sicherheit gebracht. Die Mehrheit der Geflohenen seien Frauen und Kinder.

Innerhalb Malis befänden sich derzeit rund 160 000 Menschen auf der Flucht, die meisten im Norden. Das Hilfswerk warnte, dass die anhaltende Dürre in der Sahel-Zone die Lebensmittelversorgung der Flüchtlinge in ihren Gastländern in den nächsten Monaten gefährden könnte. Noch hätten sie aber genügend Nahrungsmittel.

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