Leitartikel zu Scharapowas Rückkehr ins Tennis: Magischer Moment

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Maria Scharapowas Rückkehr in den Tenniszirkus wirkt wie das perfekte Schauspiel. Mit einem Lächeln, so verriet sie, sei sie aufgewacht. Es wurde ein guter Tag, der mit ihrem viel beachteten Auftritt in der Stuttgarter Arena auch ein erfolgreiches Ende fand. Nach dem Sieg über Roberta Vinci warf sie Kusshände in das ihr wohlgesonnene Stuttgarter Publikum. Sie strahlte, und es war ihr anzumerken, wie erleichtert sie nach dem geglückten Comeback war.

Die 30 Jahre alte Diva, diese höchst umstrittene Königin des Welt-Tennis, ist wieder da. Viele ihrer Kolleginnen hielten die Art und Weise, wie Scharapowa zurückkehrte, für unangemessen. Sie missbilligten, dass die ehemalige Weltranglistenerste praktisch über ein Freilos in ein Turnier starten durfte, das begonnen hatte, während sie noch ihre Dopingsperre verbüßte. Selbst Angelique Kerber, die normalerweise mit professioneller Freundlichkeit und Charme in der Öffentlichkeit punktet, äußerte massive Kritik. Deutschlands Nummer eins hätte es gerechter gefunden, wenn die Kollegin Julia Görges den Freifahrtschein des Veranstalters bekommen hätte.

Doch zu diesem Zeitpunkt war längst entschieden, dass die Bühne in diesem Jahr einer der aufregendsten Sportlerinnen weltweit gehören sollte. Scharapowa nahm das Angebot gerne an. Das Stuttgarter Turnier, bei dem sie bereits dreimal triumphierte, bietet ihr die perfekte Möglichkeit, noch einmal voll durchzustarten.

15 Monate sind eine ziemlich lange Zeit in der Karriere einer Spielerin, die 16 Jahre lang ausschließlich für Tennis gelebt hat. Doch Scharapowa scheint diese Auszeit geschickt genutzt zu haben. Sie hörte sich Vorlesungen an der renommierten Harvard-Universität an und schloss in ihrem Nebenjob als Unternehmerin neue Partnerschaften. Nie habe sie an diesen Tag im April gedacht, so behauptete sie. Es sei ein Termin gewesen, der die Medien interessierte, sie selbst eher weniger. Sie habe nur den Augenblick gelebt.

Der Moment ihrer Rückkehr war ein magischer. Beachtlich schnell fand Scharapowa auf dem Stuttgarter Sand wieder zu ihrem Rhythmus. Sie habe ihren Job als Tennisprofi gemacht, so lautete ihre schlichte Analyse.

Natürlich hatte aber auch sie registriert, dass ihre Rückkehr eine historische Rekordzahl an Journalisten und Fotografen zu dem Turnier nach Stuttgart lockte. 250 Medienvertreter, das Pressezentrum platzte aus allen Nähten. Die meisten kamen wegen Scharapowa. Und die gefallene Tenniskönigin, die im Geheimen in der Halle des Stadtteilklubs SV Sillenbuch trainiert hatte, wusste wohl, dass sie im Mittelpunkt allen Interesses stand.

Sie sei als Sportlerin hier, so betonte Scharapowa beharrlich. Sie ist allerdings auch: eine überführte Dopingsünderin und eine professionelle Geschäftemacherin. Der Auftritt, der ihr in Stuttgart gewährt wurde, erschien wie ein außergewöhnliches Geschenk. Scharapowa ist Markenbotschafterin des Turniersponsors Porsche. Ihr Auftritt in der Arena war, nüchtern betrachtet, ein PR-Coup. Für sie, den Sponsor und das Turnier.

leitartikel@swp.de

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